DIE ZEIT

Das Mißverständnis des Generals

Seit langem schon ist de Gaulle in die seltene menschliche Rasse der „Weitblickenden aus Intuition“ eingereiht worden: in jene außergewöhnliche Gruppe von Menschen, deren Auge durch all die wallenden Nebel der Gegenwart nicht getrübt wird.

Pluspunkte für die Weltorganisation

Die Stars der Weltpolitik haben die UN-Bühne verlassen; das Stück wird mit der zweiten Besetzung weitergespielt. Immerhin läßt sich am Ende der ersten Akte am East River sagen, daß die Vereinten Nationen in der nichtkommunistischen Welt kaum jemals in gleich hohem Ansehen standen wie jetzt.

Hand am Hebel

Dieses Marschlied „Freie Stadt Westberlin“ sagt „durch die Blume“, was der Führer der Sowjetunion in New York seinen Gesprächspartnern auch zu verstehen gab.

Bonn im Vorwahl-Fieber

Ist die Legislaturperiode des Bundestages zu kurz? Die Frage wird häufig erörtert. In Wahljahren, wie sich versteht, noch öfter als sonst.

Zeitspiegel

„Wenn das Atombombardement erst einmal vorbei ist, werden die Männer dem Feind noch immer mit Mut, Besonnenheit und Aufopferungswillen auf einige Dutzend Meter Entfernung entgegentreten müssen.

Nyborg II

Die rund 60 Kirchen und Kirchengemeinschaften aus Ost und West, die sich vor nahezu zwei Jahren in Nyborg zur „Konferenz Europäischer Kirchen“ zusammenschlössen, haben auf ihrer zweiten Zusammenkunft in der ersten Oktoberwoche an der gleichen Tagungsstätte ihren Zusammenschluß geistig und organisatorisch gefestigt.

Die Drachenkette

Kampagnen gehören zum Handwerk kommunistischer Funktionäre. Besonders tüchtig in diesem Handwerk sind die Rotchinesen. Sie können überdies noch für sich in Anspruch nehmen, daß sie – so komisch oder banal der Anlaß für eine Kampagne auch sein mag – einen poetisch klingenden Namen dafür erfinden.

Gaitskell hält sich noch

Bei ihrem Parteitag in Scarborough ist die Labour. Party letzte Woche in den schlimmsten Sturm ihrer Geschichte geraten. Die Experten sind derzeit noch dabei, die zersplitterten Masten und Aufbauten zu untersuchen.

Wolken über Frankreich

Es heißt in Paris, daß sich Premierminister Michel Debré in Bonn wacker geschlagen habe. Er habe nichts versprochen und nichts verdorben.

Nicht Masken, sondern Männer

Noch ist im amerikanischen Wahlkampf, dessen letzte und entscheidende Phase jetzt anhebt, keine geheimnisvoll prophezeiende Schrift an der Wand zu erkennen; noch hat keiner der beiden Kandidaten einen sichtbaren Vorteil über den anderen errungen.

Mit Euch, Herr Doktor, zu spazieren...

Häufig wiederkehrende Frage: „Was soll aus Salzburg werden, da Karajan nicht mehr Künstlerischer Leiter der Festspiele ist?“ Antwort: „Keine Sorge! Bernhard Paumgartner ist ja noch zur Stelle.

Neuer neutraler Block?

Im ehemaligen Französisch-Westafrika zeichnet sich immer deutlicher die Bildung eines neutralen Blocks aller französisch sprechenden Afrikaner ab, wobei im Mittelpunkt Wirtschafts- und Finanzprobleme stehen.

Sowjetstudium für Afrikaner und Asiaten

Dieses Zwiegespräch schildert ein Korrespondent der Prawda in seinem Bericht über die Eröffnung der Universität der Völkerfreundschaft in Moskau.

Gefahren des Atom-Chaos

Soll die Bundeswehr mit Atomwaffen ausgerüstet werden? Sollen überhaupt kleine Nationen eine Atomrüstung anstreben? Professor Carl Friedrich von Weizsäcker, dessen ZEIT-Serie „Mit der Bombe leben“ 1958 große Beachtung fand, hat uns dazu folgende Stellungnahme zukommen lassen, in der er seine ablehnende Haltung begründet.

Wahl und Recht

Niedersachsen darf nicht, wie vorgesehen, am 23. Oktober wählen. Das Bundesverfassungsgericht hat zwei Wochen vor dem Wahlsonntag den Termin für die Gemeindewahlen aufgehoben.

Westberlin bildet eine Polizeireserve

Dem Geschäftsführer der SPD-Fraktion im Westberliner Abgeordnetenhaus, Heinz Striek, war am Donnerstag der vergangenen Woche in der Plenarsitzung des Parlaments die Aufgabe zugefallen, dem Innensenator Lipschitz das Stichwort zu einer wichtigen Erklärung zu geben.

Kommiß auf Raten?

Die deutschen Soldaten müssen künftig mehr grüßen“, stellte die Londoner Times kürzlich mit Befriedigung fest und unterrichtete ihre Leser darüber, daß ein britischer Offizier sich bisher damit abfinden mußte, in einer deutschen Kaserne von niemandem gegrüßt zu werden.

Ohm Krügers später Sieg

Mit einer knappen Mehrheit haben sich die Wähler der Südafrikanischen Union letzte Woche für die Loslösung ihres Landes von der englischen Krone und für die Errichtung einer Republik entschieden.

Es ist erlaubt

Ist es eigentlich erlaubt, in der westdeutschen Öffentlichkeit das Zonenemblem zu zeigen?“ Diese Frage stellte ich dem Geschäftsführer des Hamburger Sportbundes, Heinz Güsmann, der Staatlichen Pressestelle, dem Oberregierungsrat Schneider vom Verfassungsschutzamt, der Polizeipressestelle, dem Sachbearbeiter der Polizei, dem Adjutanten des Polizeisenators, Hauptkommissar Hofmann, und schließlich dem leitenden Kommissar vom Polizeirevier 115.

Bremen: „Triton” hielt dicht

Als das amerikanische Atom-U-Boot „Triton“ am Sonntag von Bremerhaven aus wieder Kurs auf die offene See nahm, atmeten die Behörden erleichtert auf: einer der beschwerlichsten Flottenbesuche in der an maritimen Ereignissen nicht armen Unterweserstadt war vorbei.

Berlin: Der Schwachsinn kam gelegen

Weil er den „Einflüssen, die ihn zur Tat drängten, willensmäßig nicht widerstehen“ konnte, ist es dem siebzehnjährigen Reichsbahnarbeiter Lothar Kubert aus Falkensee bei Berlin erspart geblieben, daß er sich vor einem Westberliner Gericht wegen zweifacher Verschleppung und schwerer Freiheitsberaubung verantworten mußte.

Ein Sündenbock für Intellektuelle

In der letzten Nummer der ZEIT begann Rudolf Hagelstange, jenes alte Ressentiment vieler deutscher Intellektueller dem Sport gegenüber unter die Lupe zu nehmen, das während der vergangenen Olympiade besonders kraß zum Vorschein kam.

UNO-Miniaturen

Das seidene Jäckchen hört dicht unterm Schulterblatt auf. Über der Hüfte erst beginnt etwas anderes. Dazwischen braune Haut.

Wo bleibt die Bibliotheks-Satzung?

Die öffentliche Gemütsverfassung der Bundesrepublik erzeugt ein Klima, in dem weitreichende Entscheidungen nur langsam und mühevoll gedeihen können – sofern man sich überhaupt zur Entschlossenheit entschließt.

Eintritt auf eigene Gefahr

Einem neuen Bühnenwerk kann bei seiner Premiere heute nichts Besseres passieren, als daß in den höflichen Schlußbeifall einige kräftige Männerstimmen „Buh“ rufen und die ermatteten Premierentiger durch schrille Pfiffe aufgeweckt werden.

Zeitmosaik

Heinrich Pommerenke, 23 Jahre alt, vierfacher Mörder und dieser Tage in Freiburg auf der Anklagebank, beschrieb seinen Richtern den Beginn seiner blutigen Karriere folgendermaßen: „Am Tag des ersten Mordes habe ich im Kino die ‚Zehn Gebote‘ gesehen.

Biographische Daten

Zuckmayer, Carl. Geboren 1896 in Nackenheim am Rhein. Gymnasium in Mainz, (Soldat im Ersten Weltkrieg), Studium in Heidelberg (1919/20).

Mein Gedicht: Prolog im Himmel

Es könnte nach Monomanie aussehen, wenn ein Theatermann sein Lieblingsgedicht einem Drama entnimmt. Aber so sehr ich alle Gedichte von Goethe liebe (vor allem das wunderbare Fragment Die Geheimnisse), so ist doch der tiefste esoterische Gehalt und die größte imaginative Kraft in diesen ersten Versen aus dem Prolog im Himmel zu spüren.

Ideale 1950

Wer sich bei uns um die öffentlichen Dinge kümmert, wer etwas auf eine öffentliche Meinung gibt, kurz wer in die Öffentlichkeit geht, ohne darin ein „Amt“ zu haben (aber auch wer ein solches hat), geht immer ein wenig „auf die Straße“.

Der Faschist und die Frauen

neugierig ist – die vor einigen Wochen an dieser Stelle veröffentlichte Rezensentenrevue enthüllte es freimütig – gehört Italiens noch immer führender Romancier Alberto Moravia.

Maler der Masken

Wer war dieser James Ensor, der 1860 in Ostende geboren wurde, daselbst 1949 in seinem 50...................................

Das Schicksal schlucken

Kein neues van-Gogh-Buch ist anzuzeigen, keines dieser viel zu vielen, manchmal gut gemeinten und meistens schrecklichen Lebensbilder oder Romane (die dann auch noch bunt verfilmt wurden), sondern der älteste und einzig authentische Lebensbericht: Vincents Briefe an seinen Bruder Theo.

„Keltismus“ auf zweierlei Art

Zu den recht verschiedenartigen Lüftchen, die heute im Garten des Geistes wehen, gehört auch eine neue Welle des „Keltismus“: mindestens die achte oder zehnte seit seinem Aufflammen in der Französischen Revolution.

Wahrheit ist mehr als Doktrin

Was ist Weltgeschichte – und wie kann sie geschrieben werden? Viele, Gelehrte und Ungelehrte, haben sich darüber den Kopf zerbrochen, und zahlreiche Historiker haben sich an einer Weltgeschichte versucht, seitdem es eine Geschichtswissenschaft im modernen Sinne gibt, also etwa seit 100 Jahren.

Kamerun und EWG

Am 1. Januar 1960 ist Kamerun unabhängig geworden. Auch über diesem neuen Staat, der nun auf friedlichem Wege die volle Souveränität erlangt hat (1895 deutsche Kolonie, 1919 französisches Mandatsgebiet, seit 1946 Treuhandgebiet) schweben Gewitterwolken.

Fundament für die Lufthansa

Ein Anfang ist gemacht: Die Mitglieder des Haushalts- und des Verkehrsausschusses des Bundestages haben die Absicht kundgetan, der Lufthansa das Fundament zu geben, das sie braucht, um konkurrenzfähig zu werden.

Bestrafte Spekulation

Alle Welt war sich darüber klar, daß auf der Gouverneurstagung des Internationalen Währungsfonds über den Dollar und über die D-Mark gesprochen werde.

Was kostet die zivile Verteidigung?

Probleme des zivilen Bevölkerungsschutzes erfreuen sich in der Bundesrepublik keiner besonderen Pupularität. Wer will schon etwas von Luftschutzbunkern, vom Luftschutzwarndienst, von Evakuierung, Krisenlägern, technischen Hilfswerken, von Hilfs- und Ausweichkrankenhäusern und von Notstandsmaßnahmen zur Sicherung des Verkehis und der Nachrichtenverbindungen sowie zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Versorgung mit Gas, Wasser und Elektrizität hören? Böse Erinnerungen aus der Vergangenheit und nicht zuletzt ein gutes Maß an satter Wohlstandsgesinnung machen die zivile Notstandsplanung – hier und da auch unter dem Stichwort „zivile Verteidigung“ bekannt – zu einem Tabu.

Zeitraffer

Militärisches Ausrüstungsmaterial für im Ausland stationierte amerikanische Streitkräfte soll in Zukunft nach einer Verordnung der US-Regierung möglichst aus den USA bezogen werden.

Wovon die City spricht: Das Matriarchat dringt vor

Nach Ermittlungen des Wirtschaftswissenschaftlichen Institutes der Universität Cambridge befindet sich das Aktienkapital aller an den britischen Börsen notierten Unternehmen zur Hälfte in privaten Händen.

Angst vor Recession

Der französische Diskontsatz ist in der vergangenen Woche von 4 vH auf 3,5 vH herabgesetzt worden. Anlaß zu dieser Maßnahme bot die weiterhin recht ruhige Konjunkturentwicklung in Frankreich, die nun schon seit Jahresbeginn und in ziemlich krassem Gegensatz zur Entwicklung in den Nachbarstaaten – besonders in der Bundesrepublik, Italien und Holland – steht.

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