Zu den recht verschiedenartigen Lüftchen, die heute im Garten des Geistes wehen, gehört auch eine neue Welle des "Keltismus": mindestens die achte oder zehnte seit seinem Aufflammen in der Französischen Revolution. Und auch diesmal kommt der Anstoß aus Frankreich, vom immer noch tätigen Surrealistenpapst André Breton – und aus manchen anderen Ecken, wo man sich des "cartesischen Geistes" zu erwehren sucht.

Bei solchem Anstoß liegt die Flucht in ossianische Nebel nahe, und es ist gut, daß nun eine zuverlässige Übersetzung der letzten, vor etwa drei Jahren in England erschienenen Zusammenfassung unseres Sachwissens über die Kelten vorliegt –

T. G. E. Powell: "Die Kelten"; Verlag M. Dumont Schauberg, Köln; 293 S., viele Abb. und Karten, 14,80 DM.

Dieses Werk eines nüchternen englischen Frühgeschichtlers entstammt, wie schon das im gleichen Verlag erschienene Skythen-Buch von Tamara Talbot Rice, der Reihe "Alte Kulturen und Völker", die Glyn Daniel, der führende englische Vorgeschichtler, dreisprachig in London, Paris und Köln herausgibt.

Dem Rahmen dieser vorzüglichen Reihe gemäß handelt Powell nur von den Kelten bis zur Niederlage des Vercingetorix gegenüber Caesar im Jahre 52 vor Christus. Die Wandlung jener wild-genialischen Völkerschaften in der Auseinandersetzung mit Latinität, Christentum und Germanentum zu der "keltischen Oekumene" von heute, in ihrer regionalen Erstreckung von den Hebriden bis in die Bretagne, liegt außerhalb des Bereiches dieses Buches.

Was wir aber heute sicher über jene Frühzeit wissen, ist bei Powell mit jener bei aller Sachlichkeit so liebenswürdigen Anschaulichkeit vorgeführt, um die wir die Angelsachsen nur beneiden können. Wem das dennoch zuwenig farbig ist, der hat nun im Rahmen der Diederichsschen "Märchen der Weltliteratur" einen neuen Band zur Hand –

"Bretonische Märchen", herausgegeben und übertragen von Ré Soupault; Eugen Diederichs Verlag, Düsseldorf; 320 S., 13,80 DM.