Im ehemaligen Französisch-Westafrika zeichnet sich immer deutlicher die Bildung eines neutralen Blocks aller französisch sprechenden Afrikaner ab, wobei im Mittelpunkt Wirtschafts- und Finanzprobleme stehen.

In den vergangenen Tagen fanden ständig Gespräche zwischen den Führern der einzelnen Staaten statt, die offenbar auf große Kongresse und Manifestationen verzichten wollen. Auch die beiden feindlichen Brüder Sudan und Senegal knüpfen wohl wieder Beziehungen zueinander an.

Von den acht ehemaligen Republiken Französisch-Westafrikas gehören nur noch Mali und Mauretanien der Communauté an. Zwar hat die Vierer-Entente (Elfenbeinküste, Dahomey, Obervolta, Niger) angedeutet, daß sie nach der Aufnahme in die UNO mit Paris wieder über die Communaute verhandeln wollten, doch wurden bisher Anfragen aus Paris ausweichend beantwortet.

Modibo Keita (Sudan) hat nur den Namen Mali, aber nicht die Communauté-Verpflichtungen der früheren Mali-Gemeinschaft übernommen. So war der Sudan das sechste Land, das der Communaute verlorenging. Paris sah sich trotzdem gezwungen, das neue Mali anzuerkennen und seine UN-Aufnahme in New York zu unterstützen. Dieses Opfer brachten die Franzosen aus zwei Gründen; 1) hofften sie, daß Modibo Keita seine Forderung, die zur Sicherung der Sahara-Südflanke notwendigen französischen Militärstützpunkte zu räumen, noch hinausschieben werde, 2) glaubten sie, daß die Verständigung. Keitas mit Houphouet-Boigny (Elfenbeinküste) und vielleicht gar mit Senghor (Senegal) das völlige Abrutschen Keitas ins antifranzösische Lager verhindern könnte.

Aber ob am Ende die französischen Commonwealth am Leben bleiben wird, das weiß heute noch niemand. S. D.