Der Strahlen-Staubsauger der Gewerbeaufsicht und das Atom-U-Boot

-ge, Bremerhaven

Als das amerikanische Atom-U-Boot "Triton" am Sonntag von Bremerhaven aus wieder Kurs auf die offene See nahm, atmeten die Behörden erleichtert auf: einer der beschwerlichsten Flottenbesuche in der an maritimen Ereignissen nicht armen Unterweserstadt war vorbei. Siebert Tage lang hatte der graue Koloß einer kriegsstarken Kompanie von Geheimnishütern zu schaffen gemacht.

Außer den Vertretern Bremerhavens, der Streitkräfte und der Presse, durfte sich nur eine Handvoll Spezialisten innerhalb der Bannmeile frei bewegen: die mit Geigerzählern und anderen Instrumenten ausgerüsteten Beamten des deutschen Wetterdienstes und der Gewerbeaufsicht. Ihnen oblag es, über die Sicherheit der ängstlich ferngehaltenen Zivilbevölkerung zu wachen. Sie entledigten sich dieser Aufgabe mit beachtlichem Eifer und unter Zuhilfenahme eines Geräts, das wie ein Staubsauger aussieht und auch nach diesem Prinzip arbeitet. Mit ihm wurden alle fünf Stunden etwa 50 Kubikmeter Luft durch ein Filterpapier gepreßt oder durch ein elektrisches Spannungsfeld gejagt. Auf diese Weise sollten radioaktive Ausstrahlungen des Atomreaktors an Bord der "Triton" entdeckt werden.

Das Ergebnis dieser Bemühungen war freilich gleich Null. Wer allerdings unter Hinweis darauf, daß die Amerikaner ihre Sailors kaum in ein gesundheitgefährdendes Atom-U-Boot setzen würden, die Frage aufwarf, ob dieser Aufwand nicht überflüssig sei, wurde eines Besseren belehrt: der deutsche Wetterdienst ist kraft Gesetzes zur Überwachung der Radioaktivität in der Luft verpflichtet, während die mit Geigerzählern ausgerüsteten Beamten der Gewerbeaufsicht eo ipso für den Schutz der Bevölkerung sorgen müssen.

Captain Edward L. Beach indessen, der Kommandant der "Triton", hält nicht viel von solchen Dingen. Pressevertretern, die sich angelegentlich nach der Sicherheit des Atomreaktors erkundigten, sagte er kurz und bündig: "Ich würde mein jüngstes Kind dort hinaufsetzen, er ist absolut narrensicher." Im Laufe der sieben Tage haben sich auch die deutschen Meteorologen davon überzeugen können.