Karikatur: "Noch ’n heißes Eisen für Herrn Blank-, ZEIT Nr. 41

Zu der Karikatur unter diesem Titel bitte ich ums Wort. Gegen eine sachliche Diskussion über die schwierige Frage den Sonntagsarbeit ist nichts zu sagen. Aber wer bei Ihrem hohen Niveau mit solchen Karikaturen arbeitet, macht sich verdächtig. Die notwendige Auseinandersetzung mögen die Fachleute (dabei aber maßgeblich auch die "Fachleute" für die Frage des christlichen Sonntags!) mit allem Sachverstand führen. Eine Zeitung vom Rang wie die Ihre sollte sich aber schämen, dabei der Seite des nackten Materialismus mit den Methoden des vergangenen "Ewigen Reiches? oder des kommunistischen "Paradieses" Hilfestellung zu geben. Wollen Sie sich oder Ihre Leser ideologisch dem Osten gleichschalten?

Nur gut, daß wir in Herrn Blank einen so unerschrockenen Minister mit dickem Fell haben, der auch das heiße Eisen "Sonntagsarbeit" anzufassen wagt und es ohne unangebrachte Rücksicht auf bestimmte Interessentengruppen zu lösen sucht. Freiherr von Boeselager, Höllinghofen

Die Karikatur lebt von der Übertreibung. Als Spott- und Zerrbild, das menschliche Eigenschaften und Handlungen verzerrend darstellt, um sie zu korrigieren, hat die Karikatur eine bis ins alte Ägypten zurückreichende Geschichte. Diese Karikatur im Wirtschaftsteil war eine von der harmloseren Sorte; sie war keineswegs scharf oder bösartig. Man muß nicht atheistisch denken, um "menschliche" Seiten an der Kirche zu karikieren. Der Zeichner hat nur ein Klischee übernommen: Den Bilderbuch-Pfarrer; mit dickem Bauch, Knöpfchen und strengem Gesicht gibt es ihn schon seit dem Mittelalter. Hier waren aber der Bundesarbeitsminister Blank und ein symbolischer Gesprächspartner aus der Stahlindustrie vom Karikaturisten sehr viel mehr verzeichnet und grotesk übersteigert worden als der Pfarrer, der deutlich als der wichtige Mahner erscheint. DIE ZEIT