Henny Porten, die im Januar siebzig Jahre geworden war, ist in ihren letzten Lebensjahren vom Film nicht genug geehrt worden – und nun ist es zu spät. Sie starb in diesen Tagen in Berlin.

Der jungen Generation ist kaum noch der Name bekannt. Immer war die Filmbranche auf der Suche nach neuen Gesichtern, neuen Namen. Aber wer kümmerte sich noch um die alten? Die Filmkunst, die selber noch so jung ist, hat noch keine Tradition gebildet und sich um ihre Pflege nicht bemüht, obwohl doch auch daraus erst die kontinuierliche Leistung kommen könnte. So konnte es auch geschehen, daß Henny Porten "nicht mehr gefragt" war. Dabei war sie einer der berühmten Stummfilmstars aus der großen Zeit des deutschen Films gewesen.

Als "Gretchen" mit langen blonden Zöpfen begann sie im Berliner Theater. 1910 erhielt sie ihre erste Filmrolle, war Partnerin von Jannings, Werner Krauss, Fritz Kortner. Später wechselte sie ohne Schwierigkeiten von der jugendlichen Naiven ins mütterliche Rollenfach hinüber. Ihr schauspielerisches Talent, ihr Humor, der Glanz ihres Namens strahlten in der Tonfilmzeit, bis es nach 1933 infolge der "Nürnberger Gesetze" wegen ihrer zweiten Ehe mit dem Arzt Dr. Wilhelm von Kaufmann immer stiller um sie wurde.

Nach dem Kriege war sie arm und elend. Ein Theaterprojekt bot sich an, dann arbeitete sie bei der ostzonalen Defa: "Carola Lambert"; "Das Fräulein von Scudery" hießen die Filme. Sie lebte zuletzt in Westberlin. Henny Porten gehörte zu den Pionieren des Films, wie Asta Nielsen, und hat tatsächlich dem Film aus der Jahrmarktsatmosphäre in die "Kunstkinotheater" verholfen. Niemand hat es ihr gedankt, als ihr warmherziger Typ nicht mehr "der Typ der Epoche" war und seit skandalumwitterte Affären mehr Publicity bringen als damenhafte Zurückhaltung. EM