Eine der kostbarsten noch erhaltenen Elementarlandschaften Nordtirols, der "Wilde Kaiser" und das ihn vom "Zahmen Kaiser" trennende berühmte Kaisertal – eines der letzten Wanderparadiese der zünftigen Hochgebirgsfreunde –, soll nun auch erschlossen werden. Noch vor kurzem schien es, als werde das Kaisergebirge auf Antrag des Vizebürgermeisters Dr. Helmuth Gall von Kufstein, eines geschätzten Naturwissenschaftlers und Geographen, unter gesetzlichen Naturschutz gestellt werden. Die Vorbereitungsarbeiten für ein entsprechendes Gesetz der Tiroler Landesregierung waren bereits abgeschlossen, es fehlte nur noch der entscheidende Beschluß des Kufsteiner Gemeinderats. Auch der schien gesichert. Doch wurde jetzt der Antrag abgelehnt und statt dessen für den Bau einer Straße ins Kaisertal plädiert. Es hieß, das Kaisertal unter Naturschutz stellen, bedeute, es wirtschaftlich zu ruinieren.

Es spricht nun aber alles dafür, daß die wirtschaftliche und verkehrstechnische Ausbeutung des Kaisergebirges ihm entschieden mehr Verluste als Gewinn bringen wird. Für die Autoreisenden wird die südliche Umgehungsstraße immer die (ebenfalls landschaftlich reizvolle) schnellere Strecke bleiben; große Reize des Kaisertales und des "Wilden Kaisers" aber werden durch die Autostraße sowie die dazugehörigen Tankstellen und Parkplätze (etwa auf dem großartigen Stripsen-Joch!) vernichtet werden. Die Rucksackwanderer, die Kletterer, für die der "Kaiser", ein besonderer, ruhmumwitterter Boden ist, Naturfreunde und Alpenvereine haben dagegen protestiert, daß Kufsteiner Profitspekulanten den Zauber dieses phantastischen Stückes Natur zerstören wollen. A-th