Der Süddeutsche Rundfunk setzte seine lobenswerte Sendereihe "Im Spiegel der Komödie" fort mit Giammaria Cecchis "Der Eulenschrei". Und siehe da, in dieser zweiten, der Renaissance-Station im Gang durch die Jahrhunderte geht’s schon nicht mehr so liebenswürdig einfältig zu wie in der mittelalterlichen Posse "Meister Pierre Pathelin."

In galantem und mitunter witzigem Geplauder entwickelt sich eine Kette haarscharf ineinandergreifender Intrigen. Die Geschichte ist regelrecht haarsträubend: Ein siebzigjähriger Rechtsanwalt, ein hemmungsloser Geizkragen, beabsichtigt, sein achtzehnjähriges Weib mit der Mutter eines Studenten zu betrügen. Dieser wiederum stellt selig der strengbewachten Ehefrau nach, wird aber von seinem Freund um die Angebetete listig betrogen. Ersatzweise, doch durchaus zufriedengestellt, erobert dafür der entflammte Studiosus die verheiratete Schwägerin des alten Hahnreis.

Es ist nicht leicht, in diesem tollen Durcheinander von Pärchen die Übersicht zu behalten. Schließlich wird nur der jammernde Alte überführt, während sich alle anderen ins Fäustchen lachen. Eine ganze kalte Nacht lang mußte der Tropf eingesperrt in einem Hinterhof verbringen und ahmte vergeblich den verabredeten Eulenschrei nach. Das Fenster blieb verschlossen. Brav und anständig ist nur ein bärbeißiger aber lächerlich feiger Hausknecht. Auch das also war Renaissance! Helmut Kauer