Feuilleton

Aufbruch in unsere Zeit

Die Zeit zu Beginn des neunzehnten Jahrhunderts heißt uns schlechthin „Romantik", wiewohl damals noc

+ Weitere Artikel anzeigen

DIE ZEIT

Der Kanzler und sein Vize

Wenn alles so bleibt wie heute, dann wird der kommende Wahlkampf in der Bundesrepublik von der Regierungspartei nach dem Schema jener Kabarettszenen abgewickelt werden, die man „black out“ nennt.

Bittere Wahlkampf-Frucht

Von den Engländern beider Parteien weiß man seit langem, daß sie nicht gewillt sind, den deutschen Anspruch auf die Gebiete jenseits von Oder und Neiße zu unterstützen.

Die Lobbies dürfen nicht regieren

Bundeswirtschaftsminister Erhard hatte bei der Eröffnung der Photokina-Ausstellung drastische Maßnahmen der Konjunkturdämpfung angekündigt.

Ein heiliger Mann und kleine Teufeleien

Die Aufgabe von Monsignor Maccari, den der Vatikan auf „apostolischen Besuch“ nach dem Kloster San Giovanni Rotondo geschickt hat, ist gewiß nicht angenehm gewesen.

Zeitspiegel

Der Auto-Konzern Borgward, Bremen, hat sich entschließen müssen, 2550 Arbeiter zu entlassen. Es sei die Überführung der Werke Lloyd und Goliath ins Borgward-Stammhaus, die diese Entlassung erfordere, so sagt die Betriebsleitung zur Erläuterung.

Der Gipfel aus Bonner Sicht

Im Palais Schaumburg, aber auch in den Zentralen der vier im Bundestag vertretenen Parteien denkt niemand daran. Die Bedenken gegen eine zu frühe und unvollkommen vorbereitete Gipfelkonferenz sind keineswegs abgeklungen, zumal gegen ein Treffen, das sich nur mit der Berlin-Frage befassen würde.

Berlin: Justitiar muß zahlen

Dem Zweiten Senat des Westberliner Oberverwaltungsgerichts ist es zu danken, daß der für den Steuerzahler außerordentlich kostspieligen Prozeßfreudigkeit der Ämter ein Dämpfer aufgesetzt wurde.

Unterschrift unleserlich

Der normale Bundesbürger schweigt dazu. Er weiß nur, daß er manchesmal mit einer schwer leserlichen oder gar unleserlichen Unterschrift herzlich wenig anfangen kann.

Saarland: Beschwerde abgewiesen

Wir Sitz-Laien stellen uns den Gefangenen gern vor, wie er, dumpf brütend, auf seiner Pritsche liegt und über Rache, Reue oder neue Taten meditiert.

Noch einmal der Fall Schilling

Man erinnert sich? Ein Anonymer hatte einen Roman geschrieben, „The Fearmakers“. Das Buch war, wie sich später herausstellte, vom ersten bis zum letzten Wort autobiographisch und handelte von einem Mann „Link“, der als Mitglied einer deutschen Widerstandsgruppe im Jahre 1945 den Franzosen bei der Verhaftung einiger Naziverbrecher hilft, darunter eines SS-Offiziers namens „Drechsler“, der sich im KZ Dachau und im Vernichtungslager Maidanek betätigt hat.

Warum immer Anstoß nehmen?

Jede Zeitung, jeder Funk, jeder Schuldirektor weiß ein Lied davon zu singen. Der öffentliche Zensor ist, möchte ich sagen, noch der zurückhaltendste (auf jeden Fall begrenzteste) Anstoßnehmer – was ihn allerdings nicht rechtfertigt.

Minou im Haus

Als Philippe geboren wurde, hatte ich unter anderen Dauerbeschäftigungen sieben Jahre Artillerie hinter mir; Jahre, in denen ich dem Sultan geholfen hatte, tatsächlich Herr über sein Empire zu werden.

Lernt Tuba blasen

Wenn mich etwas beunruhigt, dann gewiß der Vorsprung, den die Russen auf so – vielen Gebieten erlangt haben oder erlangen werden.

Der Alte aus Montagnola

Man kennt den alten Hans Purrmann durch seine Selbstbildnisse. Man weiß, wie er aussieht. Mächtiger, kahler Schädel, aus dem Vollen gearbeitet, hart und doch angenehm gerundet, kräftiger Mund mit scharf geschnittenen Lippen, ein lebhaftes Rot in Grau gefaßt, der angespannte, ins Ferne zielende Blick aus aufgerissenen Augen.

Mein Gedicht: Lebenslied

Das Lebenslied ist das fernste, das unwahrste, unwirklichste und un-menschlichste Gedicht deutscher Sprache, die maßloseste Hoffnung, die je Wort wurde (um so schöner, da man weiß, daß sie vergeblich ist): die Vergänglichkeit – und wer litt mehr als dieser Dichter unter ihr? – ist unzerstörbare Zeit, ist Ewigkeit geworden.

Kochkunst und Kulturaustausch

Die großen internationalen Garderobenschauen der Reisenden in Kultur und Sport sind vorüber. Die Festspielhäuser aller Sorten haben sich unauffällig wieder in gewöhnliche Spielhäuser verwandelt.

Zeitmosaik

The Times Literary Supplement hat letzte Woche ein Wort zu Grabe getragen: „Intelligentsia“. Es wurde etwa 1870 in Rußland geboren, als Name für jene, die „über Wandel denken, sprechen und schreiben“.

Wehe uns, wo bleibt die süße Revolution?

Seine Gestalt ist in Nebel gehüllt. Als ob er vor Jahrhunderten gelebt hätte. Niemand weiß, wo und wann er starb. Mit Sicherheit kann man nur sagen, daß er zur Zeit des Stalinismus – wahrscheinlich 1941 – ermordet wurde.

Katastrophen von gestern und morgen

Oswald Spengler hat die „Gleichzeitigkeit“ verschiedener, durch Jahrhunderte getrennter. Kulturperioden erfunden; James Joyce, Virginia Woolf, Aldous Huxley haben sich mit der Relativität des Zeitbegriffs geplagt; und auf dem Zauberberg zerbrach sich Hans Castorp den Kopf darüber.

Die Bergseen muß jeder selber finden

In naher Zukunft wird man mitleidsvoll auf die Klasse derer herabsehen, die sich keine Ferien vom Auto leisten können. Wer in diesem Sommer einen Teil seines Urlaubs auf der Autobahn München–Köln, auf der Via Aurelia oder in der Autoschlange auf der Riviera-Küstenstraße zwischen San Remo und Levanto zugebracht hat, der weiß, daß man heute in den Standard-Ferienparadiesen zu Fuß und mit öffentlichen Verkehrsmitteln mehr als im Auto sieht – und gesünder lebt.

Der Wilde Kaiser soll gezähmt werden

Eine der kostbarsten noch erhaltenen Elementarlandschaften Nordtirols, der „Wilde Kaiser“ und das ihn vom „Zahmen Kaiser“ trennende berühmte Kaisertal – eines der letzten Wanderparadiese der zünftigen Hochgebirgsfreunde –, soll nun auch erschlossen werden.

Im Winter nach Westerland

Winter-Wochenendfahrten nach Westerland werden wieder von der Kurverwaltung und der Bundesbahn vom 8. Oktober bis zum 27. November 1960 und vom 14.

Nächste Etappe Tokio

Ab Januar 1961 wird die Deutsche Lufthansa ihren Liniendienst Frankfurt – Bangkok (über Rom – Kairo – Karachi – Kalkutta) bis Hongkong und Tokio erweitern.

Das Schönste am Reisen ist...

... an die zärtlich kühlen Wellen des Mittelmeeres mit ihren sanften Bogenschwüngen, die an der Küste ausliefen wie Spitzensäume.

Was hat die Bundesbahn vor?

Die Trans-Europa-Expreßzüge sind ins Gespräch gekommen Vor drei Jahren, im Sommer 1957, startete der allererste TEE, und seither haben diese internationalen Züge dank ihrer Eleganz und Schnelligkeit rasch Anklang bei den Reisenden gefunden.

Uneins mit sich selbst

Die Mehrheit der Vertreter der „Christlich-Sozialen Kollegenschaft“ ist mit der Begründung aus dem DGB ausgetreten, die freiheitliche Gestaltung der Einheitsgewerkschaft und die Gruppenbildung in ihrem Rahmen sei nicht mehr möglich.

Schattenboxen mit „Hyänen“

Der Einzelhandel läßt nicht locker. Schon lange ist ihm der weit verbreitete Handel am Arbeitsplatz – Betriebs- und Belegschaftshandel genannt – ein Dorn im Auge, aber den bereits seit der ersten Legislaturperiode des deutschen Bundestages unternommenen Vorstößen blieb bislang der Erfolg versagt Nun soll der dritte deutsche Bundestag das tun, was seine beiden Vorgänger versäumt haben, auf daß „abgewanderte“ Süßigkeiten, Seifenpulver und sonstige Konsumgüter wieder den Weg über die Ladentheke nehmen.

Aufwertung nicht „verboten“

In der Diskussion um die Aufwertung der D-Mark wird in regelmäßigen Abständen auch das Argument vorgebracht, eine Änderung des Wechselkurses sei mit den Bestimmungen des Internationalen Währungsfonds (IWF) nicht vereinbar.

Zeitraffer

Das Bundeskabinett hat entschieden, daß die im Beschleunigungsplan vorgesehene 5prozentige Senkung der Zölle für kontingentierte Agrarprodukte nicht wie vorgesehen am 1.

Hüter der europäischen Gemeinschaft

Das Europa-Parlament in Straßburg hatte in der vergangenen Woche einen großen Tag, als mit Leidenschaft (und viel Beredsamkeit) die Ansicht des Gremiums über den Kurs der künftigen Einigungspolitik festgelegt wurde.

Kein Respekt vor Patenten

Die Handelsmessen in den Staaten, die dem „Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe“ (Comecon) angehören, haben neben der rein geschäftlichen Seite zuweilen den Vorteil, daß sie auch Aufschlüsse geben über die gemeinsame Außenhandelspolitik des Ostblocks.

Noch keine Henschel-Aktie

Wird es eines Tages auch Henschel-Aktien an den Börsen geben? Mit dieser Frage beschäftigte sich Dr. Fritz-Aurel Goergen, Hauptanteilseigner und Geschäftsführer der Henschel-Werke GmbH, Kassel, die aus Anlaß des 150jährigen Bestehens des Unternehmens stattfand.

Dank günstiger Konjunktur

In Luxemburg fand kürzlich eine Regierungskonferenz über die industrielle Umstellung in den von Zechenstillegungen betroffenen Gebieten statt.

Galante Liederlichkeiten

Der Süddeutsche Rundfunk setzte seine lobenswerte Sendereihe „Im Spiegel der Komödie“ fort mit Giammaria Cecchis „Der Eulenschrei“.

Evergreen mit Nebelhorn

Es ist so eine Sache, gleichzeitig die Musikfreunde der konzertanten Musik und die Jazzfans vor den Kopf zu stoßen: die einen mit Swing und „Verjazzung“ heiliger Podiumsdenkmäler, die andern mit derart revoltierendem Jazz, daß den musikalisch schon saturierten Oldtime-Anhängern die Ohren klingen werden.

Brief der Woche

Zu der Karikatur unter diesem Titel bitte ich ums Wort. Gegen eine sachliche Diskussion über die schwierige Frage den Sonntagsarbeit ist nichts zu sagen.

Ausbruch aus dem Währungszoo?

Wenngleich ich im Ergebnis mit der Tendenz dieses Aufsatzes, die Aufwertung der D-Mark zu fordern, einverstanden bin, scheint es mir doch, daß die Begründung von J.

+ Weitere Artikel anzeigen