Das Bundeskabinett hat entschieden, daß die im Beschleunigungsplan vorgesehene 5prozentige Senkung der Zölle für kontingentierte Agrarprodukte nicht wie vorgesehen am 1. Januar 1961 vorgenommen werden soll. Endgültig darüber entscheiden wird der EWG-Ministerrat. Bleibt es bei diesem Beschluß, so haben die landwirtschaftlichen "pressure groups" einen protektionistischen Sieg über die EWG errungen.

Die Außenhandelsbilanz der Bundesrepublik schloß in den ersten neun Monaten dieses Jahres mit einem Ausfuhrüberschuß von 3,5 Mrd. DM gegenüber 3,7 Mrd. DM im gleichen Zeitraum des Vorjahres ab. Von Januar bis September 1960 sind Waren im Werte von 31 Mrd. DM importiert und Waren im Werte von 34,5 Mrd. DM exportiert worden.

Die Frage, ob die USA sich auf eine Recession zubewegen, ist erneut durch die Meldung akut geworden, daß der Ausstoß der Bergwerke und Stahlfabriken im September auf den bisher niedrigsten Stand des Jahres abgesunken ist. Der Index der Industrieproduktion ist im September auf 107 (1957 – 100) gefallen. Im August ist statt des erwarteten Absinkens um einen Punkt der Index um zwei Punkte nach unten gegangen.

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Allen Industriearbeitern in der Sowjetzone steht eine Erhöhung der Arbeitsnormen bevor. Nach Beschlüssen der Zonenbehörden sollen nur Arbeiter, die im kommenden Jahr mehr leisten als 1960, den gleichen Verdienst erhalten wie bisher. Es ist das erstemal seit 1953, daß eine höhere Arbeitsleistung generell verordnet wird. Im Gegensatz zu dem damaligen Ministerbeschluß, der den Aufstand vom 17.Juni auslöste, ist diesmal die Anordnung in sogenannten Direktionen verborgen, die der kommunistisch gelenkte FDGB erlassen hat.