Gespräch mit Ministerpräsident Verwoerd – Das "Commonwealth" der getrennten Rassen / Marion Gräfin Dönhoff

Pretoria, im Oktober

Der Tee und Berge von Kuchen und Torten waren abgeräumt worden – die Unterhaltung konnte beginnen. Der Ministerpräsident von Südafrika H. F. Verwoerd (Verwurd gesprochen) lehnte sich zurück. Er wirkte gelassen und heiter. Die Haare sind weißgrau, die Augen klein und behende. Verwoerd strahlt Wohlwollen und eine gewisse Listigkeit aus. Seine Einwürfe sind rasch, seine Lust am Dozieren ist unverkennbar.

Wir – fünf Journalisten verschiedener Nationalität – saßen ihm gegenüber in seiner Residenz Libertas, einer Mischung von Palais und Villa, würdig ohne bombastisch, modern ohne extravagant zu sein. Den mit Möbeln, reichlich angefüllten Salon zieren ein schöner früher Gobelin und einige eher kleinbürgerlich wirkende Bilder. Durch das Fenster sieht man in einen großzügigen Park, hinter dem sich die unendliche Weite des südafrikanischen Landes breitet.

"Werden Sie, Herr Ministerpräsident, nachdem das Referendum Ihnen die Vollmacht gibt, den langgehegten Wunsch der britischen Bevölkerung zu erfüllen und Südafrika von der britischen Krone zu lösen, jetzt gewisse Modifikationen Ihrer bisherigen Politik zulassen?

"Nein, ich sehe keinerlei Veranlassung dafür."

"Ich meine, daß den Afrikanern in ihren städtischen Bezirken das Recht zur kommunalen Selbstverwaltung eingeräumt wird oder daß beispielsweise die Stellung der Coloureds – der Mischlinge also – in politischer und wirtschaftlicher Hinsicht verbessert wird?"