Nach den Kommunal- und Kreistagswahlen in Hessen und Rheinland-Pfalz läßt sich aufs neue die Frage stellen, ob es sinnvoll ist, die prominentesten Parteiführer bei einer schlichten Gemeindewahl so zu strapazieren, wie es hier geschehen ist. In Ludwigshafen sprachen an einem Tag: Bundesaußenminister von Brentano, der Regierende Bürgermeister von Berlin, Willy Brandt, Bundesverteidigungsminister Strauß und der Bundesvorsitzende der FDP, Dr. Mende. In Wiesbaden konnten die Wähler am gleichen Abend zu Professor Erhard oder zu Willy Brandt in die Wahlversammlung gehen.

Nun geht es aber bei Kommunalwahlen um lokale Probleme: um den Bau einer Brücke, die Verlegung eines Bahnhofs, eine Straßenerweiterung und ähnliche Fragen. Was wissen die Parteigewaltigen davon und was haben sie dazu zu sagen? Nichts. Sie umnebeln den Bürger mit dem Dunst der hohen Politik, während er doch nur schlicht Stellung zu nehmen hätte zu Fragen, über die er aus eigener Anschauung einigermaßen realistisch urteilen könnte.

So aber wird diese Gelegenheit zur Selbstschulung in demokratischen Entscheidungen beeinträchtigt und der Sinn einer an sich wichtigen Wahl verfälscht. Die armen Parteibosse aber werden nicht nur vor einer Bundestagswahl und vor den elf Landtagswahlen, sondern auch noch vor den vielen Gemeindewahlen im Lande herumgejagt. So verbrauchen sie sich vor der Zeit und vernachlässigen während dieser überflüssigen Reisen ihre eigentlichen Geschäfte. R. S.