Die Bergwerksgesellschaft Walsum mbH, Walsum/Niederrhein, hat frühzeitig ihren eigenen Weg gesucht, um der Kohlenkrise auszuweichen, und dabei hatte sie eine recht glückliche Hand. Bereits als sich die ersten Anzeichen des Strukturwandels im Bergbau bemerkbar machten, hat diese zur Gruppe Thyssen-Bornemisza gehörende Zechengesellschaft den aus heutiger Sicht wohl besten Weg zur Kohleveredlung, die Stromerzeugung, beschritten. In den letzten drei Jahren sind in Walsum die Kraftwerksanlagen "bis an die Grenze der finanziellen Möglichkeiten" ausgebaut worden. Mit diesen Investitionen konnte aber nicht nur das Angebot an festen Brennstoffen merklich herabgesetzt werden – das allein wäre schon fast der Mühe wert gewesen –, sondern gleichzeitig wird auch die Ertragslage des Unternehmens bereits in absehbarer Zeit durch das lukrative Stromgeschäft günstig beeinflußt werden.

Der Anteil der Kohle, die als "weiße" Energie verkauft wird, ist nicht unerheblich gestiegen. Dabei hat Walsum gleichzeitig auch die Haldenbestände von ihrer exorbitanten Höhe von 400 000 t – das ist für die vorhandene Kraftwerkskapazität bereits eine ganz normale Bevorratung – abbauen können. Noch in diesem Jahre wird hier der Eigenverbrauch an Kohle auf etwa 50 vH der Förderung ansteigen. An dem für 1960 erwarteten Fremdumsatz des Unternehmens von 165 Mill. DM – gegenüber 155,8 Mill. DM im Berichtsjahre – wird dann das Stromgeschäft mit etwa 60 vH beteiligt sein.

Für dieses lohnende Ziel hat die Zeche Walsum erhebliche Mittel aufgewendet; bis Ende 1960 werden 137 Mill. DM verbaut sein. Bei der Aufbringung dieser Mittel war auch der Kapitaleigner selbst mit von der Partie. Das ursprünglich nur zur Finanzierung des reinen Bergbaubetriebes bestimmte Stammkapital ist im vergangenen Dezember durch Bareinzahlung der Gesellschafter entsprechend ihren bisherigen Anteilen um 10 auf 40 Mill. DM erhöht worden. Darüber hinaus ist ein Gesellschafterdarlehen in Höhe von 15,5 Mill. DM in Genußscheinkapital umgewandelt und somit langfristig gebunden worden. Die Gruppe Thyssen-Bornemisza verzichtet außerdem zugunsten der Finanzierung für das Jahr 1959 auf eine Dividende (i. V: 12 vH); nur das Genußscheinkapital wird mit 8 vH verzinst, wofür der mit 1,2 Mill. DM ausgewiesene Gewinn beansprucht wird.

Im Geschäftsbericht heißt es, daß 1959 gegenüber 1958 nicht weniger verdient worden sei und auch in 1960 werde das Ergebnis nicht schlechter werden. Aber das Ziel der Bemühungen, sich der billigen Substitutionskonkurrenz zu erwehren, werde nicht erreicht werden. "Denn Absatzschwund – wenn auch vorübergehend durch den extrem hohen Konjunkturanstieg aufgehalten – und Preisnachlaß gehen Hand in Hand und setzen die Ertragslage des Bergbaus einem starken Druck aus, der auch in Zukunft kaum nachlassen wird." Dennoch sei die Gesellschaft – wie es an anderer Stelle heißt – nicht pessimistisch, sondern man sehe "den Realitäten ins Auge".

Mit kräftigen Leistungssteigerungen auf der Bergbauseite sieht sich das Unternehmen in der Lage, einen Teil der inzwischen erfolgtem weiteren Belastungen auffangen zu können. Bereits im laufenden Jahr wird darüber hinaus die Ertragslage der Gesellschaft ihre ersten spürbaren Impulse von der Kraftwerksseite her erhalten. Ab 1961, wenn die im Kraftwerk installierten 475 000 kW voll in Betrieb sind, glaubt die Verwaltung, Absatz und Rentabilität, soweit sie von der Gesellschaft beeinflußt werden können, nachhaltig gesichert zu haben. nmn