aber Devisenmangel veranlaßte Ägypten zur Drosselung deutscher Importe

v. Sch., Kairo, Anfang November

Es gilt in Kairo als schick, an seinem Wagen das deutsche Schild "D" zu haben. Es findet sich an den meisten Wagen westdeutscher Produktion, auch wenn diese Fahrzeuge mit arabischen Nummern versehen sind, wie beispielsweise viele Taxis. Darin zeigt sich die allgemeine Beliebtheit, der sich das deutsche Erzeugnis erfreut. "Allemani kuaiss" – deutsch ist gut – ist eine Qualifikation, die nicht durch Propaganda entstanden ist, sondern auf praktischen Erfahrungen beruht.

Rußland kauft!

Ein Blick auf die ägyptische Handelsbilanz in den ersten acht Monaten dieses Jahres zeigt, daß die Bundesrepublik mit 21 Mill. äg. Pfund (14 vH der ägyptischen Gesamteinfuhr) unter den Lieferländern nach den USA (27 Mill. LE) an zweiter Stelle steht, gefolgt von der Sowjetunion (13 Mill. LE). Zieht man aber von den amerikanischen Importen die großen Lieferungen aus landwirtschaftlichen Überschüssen (Weizen, Fleisch usw.) ab, so steht die Bundesrepublik weitaus an erster Stelle. In der gleichen Zeit hat aber die Bundesrepublik aus Ägypten Waren für nur 7,5 Mill. LE bezogen, während die Sowjetunion mit 27 Mill. LE den ersten Platz unter den Absatzländern Ägyptens einnimmt. Die Handels- und damit auch die Zahlungsbilanz Ägyptens gegenüber Deutschland ist immer passiv gewesen – aber heute, da das Defizit nicht mehr aus Devisenreserven gedeckt werden kann, ist das Problem für Ägypten akut geworden.

Infolge der guten Erfahrungen, die man mit der Qualität der deutschen Erzeugnisse, mit der Einhaltung der Lieferfristen und besonders auch mit dem deutschen "Service" gemacht hat, ist das Interesse der ägyptischen Besteller (unter denen große staatliche und halbstaatliche Unternehmen eine immer größere Rolle spielen) für Bezüge aus der Bundesrepublik groß. Dem steht aber neuerdings das Veto des für die Devisenwirtschaft des Landes verantwortlichen Wirtschaftsministeriums gegenüber, das den Abschluß weiterer Großkontrakte mit der westdeutschen Industrie als sehr fraglich erscheinen läßt.

Es gibt vier Möglichkeiten, eine Verbesserung der ägyptisch-deutschen Handelsbilanz im ägyptischen Sinne zu erreichen: die Verstärkung der deutschen Käufe in Ägypten, die Gewährung langfristiger Kredite, die "Entwicklungshilfe" und schließlich – als ultima ratio für Ägypten – die Einschränkung der Einfuhr deutscher Erzeugnisse. Das gesamte Problem ist im Rahmen der Bonner Verhandlungen zwischen den beiden Seiten Mitte September eingehend besprochen worden, ohne daß man zu einem befriedigenden Ergebnis gekommen wäre. Für die deutsche Stellungnahme, daß das System der freien Marktwirtschaft eine Beeinflussung der deutschen Importeure bei der Wahl ihrer Bezugsquellen nicht zulasse, hat man auf der ägyptischen Seite wenig Verständnis; auch nicht dafür, daß der Preis in diesem Zusammenhang von ausschlaggebender Bedeutung sei.