Liebe Bürgerinnen und Bürger" – das steht in fetten Lettern über einem Flugblatt, das die Darmstädter Wahlstrategen der CDU jüngst verteilen ließen. Wahrlich eine noble Anrede, in der Respekt vor dem politischen Verantwortungsbewußtsein der Wähler mitzuschwingen scheint.

Was die Darmstädter CDU nun aber den "lieben Bürgerinnen und Bürgern" mitzuteilen hatte, war dies: "Was kümmert uns die leidige Politik. Jeder von uns wünscht sich doch einen kleinen Zipfel des Glücks. Wir sitzen aber alle in einem großen Wagen, der gesteuert werden muß. Gerade Sie sind hier notwendig, um einen guten, besonnenen Fahrer auszuwählen. Würde der Fahrer an einem Baum oder, im Graben landen, müßten Sie mitleiden."

Und in gestelzter Bescheidenheit schließt dieser Appell an die Wähler: "Die Aufrichtigkeit verlangt von uns, Ihnen zu sagen, daß wir uns sehr freuen würden, wenn Sie uns Ihre Stimme geben möchten."

Nicht lange ist es her, daß der Bundeskanzler seiner Trauer darüber Ausdruck gab, wie sehr es in Deutschland an einem wirklichen Staatsbewußtsein mangele. Die Darmstädter CDU aber versucht, sich bei den Wählern mit der Parole anzubiedern: "Was kümmert uns die leidige Politik..."

Kurzum: Die Aufrichtigkeit verlangt von uns zu sagen, daß wir diesen Wahlaufruf recht abstoßend finden. H. G.