Die Mühlen des Fernsehens mahlen langsam, aber in großer Zahl kommen jetzt Sendungen, die zur Reaktion auf die Hakenkreuzschmierereien gezählt werden können. Neben der Dokumentarfolge "Das Dritte Reich" bringen die einzelnen Stationen eine Reihe von Stücken, die sich mit der jüngsten Vergangenheit und unserer Gegenwart auseinandersetzen. Die Fernsehleute haben ein besonderes Interesse des Publikums an Zeitproblemen festgestellt. Aus dem Spielprogramm der Wintersaison 1960/61 des NWRV Hamburg seien hier einige Stücke angeführt.

Ein japanisches Fernsehspiel, das in Hamburg synchronisiert wurde, berichtet von dem japanischen "Nürnberger Prozeß". "Ich möchte eine Muschel sein" (so der Titel), sagt der zum Tode Verurteilte, "tausend Meter tief auf dem Grund des Meeres an einen Fels geklebt, nicht erreichbar für Menschen".

Am 13. November wird Claus Hubaleks Bühnenstück "Die Stunde der Antigone" paradoxerweise im Fernsehen uraufgeführt. Hier soll die antike Geschichte nicht mit neuen Mitteln, sondern eine neue Geschichte mit alten Mitteln erzählt werden.

Der Engländer Jack Pulman schrieb aus der Distanz ein Stück der unliebsamen Vergangenheit: "Nach all der Zeit" (Sendetermin 16. November).

Eine Spionage- und Abenteurergeschichte aus dem Zweiten Weltkrieg geht in vier Folgen über den Bildschirm. Das Drehbuch entstand nach dem Roman von Christian Freyhofer.

Eine moderne Hamletversion versucht der Pulitzer-Preisträger Elmer Rice mit dem "Ruf zur Leidenschaft" (26. Februar).

Das geplante, aber noch nicht inszenierte Fernsehspiel "Anfrage" von Christian Geissler "richtet sich an unsere Erziehungsberechtigten (Väter, Lehrer, Priester, Offiziere), die überlebt haben und schweigen ..."