Marion Gräfin Dönhoff: "Was Südafrika fürchtet...", ZEIT Nr. 43

Ich stimme Gräfin Dönhoffs sachkundiger und fairer Darstellung der südafrikanischen Situation im ganzen zu. Nur in einem Punkt kann ich ihr nicht folgen. Sie meint, daß die Weißen Südafrikas den schwarzen Industriearbeitern die besseren Jobs mit höheren Löhnen deshalb versagen, weil sie fürchten, daß sonst Arbeitsstellen den Weißen verloren gingen.

Nun, die Weißen Südafrikas, seien es Afrikaner oder englischen Ursprungs, sind gute Wirtschafter. Sie kennen das ökonomische Gesetz, daß Vermehrung der Arbeitskräfte und höhere Löhne die Produktion und den Wohlstand eines Landes heben, das so viele natürliche Voraussetzungen für seine Entwicklung hat.

Der Grund, warum die Weißen die Schwarzen in der Industrie niederhalten und in der Landwirtschaft so niedrig entlohnen, ist die Furcht, daß andernfalls deren soziale Position sich höbe, daß sie den Kindern eine bessere Erziehung geben könnten und daß so allmählich eine schwarze Bevölkerungsschicht erwüchse, der sie organisatorische und politische Rechte kaum dauernd versagen könnten. Das aber bedeutete bei mehr als sechs Millionen schwarzer Arbeiter gegenüber drei Millionen Weißer deren Majorisierung. Doch werden die schwarzen Arbeiter sich dauernd ihrer Zurücksetzung fügen? Eric Birker, London

Mit einigem Kummer beobachte ich, wie sich der Begriff "afro-asiatisch" nun auch in der so treffsicheren ZEIT am falschen Ort einzunisten beginnt. Wenn ich von 14 "Afro-Asiatischen Staaten" lese, die neu in die UN aufgenommen wurden, dann frage ich mich, ob es überhaupt keine afrikanischen Staaten mehr gibt. Kamerun, Togo, Kongo – jeder ein afro-asiatischer Staat? Nassers Reich ist vielleicht eine afro-asiatische Union – aber sonst? Soweit ich sehe, ist der politische Begriff "afroasiatisch" seit der Bandung-Konferenz modern geworden. Er wurde zunächst von China und der Sowjetunion als Schlagwort eingeführt, um der Welt eine geschlossene Gegnerschaft der asiatischen und afrikanischen Staaten gegen den Westen vorzugaukeln. Man kann aber – genau genommen – Indonesien und Ghana nicht zwei afro-asiatische Staaten nennen; ebensowenig wie man etwa Frankreich und Argentinien zu zwei euro-amerikanischen Staaten zusammenziehen könnte.

Albert von Haller, Murrhardt/Württ.