stuck-Bonn

Prolog

Das im Volk verlorengegangene Bürgerbewußtsein muß wieder zum Leben erweckt werden. Niemand ist dem heutigen Rechtsstaat abträglicher als ein scheuer Untertan, der Unrecht geduldig entstehen läßt und lammfromm erleidet. Da das Recht nicht wie frische Brötchen ins Haus getragen wird, muß es von jedermann mutig und verantwortungsfreudig erkämpft werden." Theodor Heuss

1. Akt

(1) Bad Godesberg. Frühjahr 1951. Der Kaufmann Rudolf Heil, Farben und Lacke en gros, ist der Meinung, daß er dem säumigen Kunden K. gegenüber lange genug Geduld geübt hat. Er handelt, wie ein Kaufmann in solchen Fällen eben handelt: Letzte Mahnung, Zahlungsbefehl... K. erhebt Einspruch. Am 20. Juni 1951 stellt das Amtsgericht Bonn fest, daß der K. dem Kaufmann Heil nunmehr DM 458,12 plus 5 Prozent Zinsen zu zahlen hat.

(2) K. empfindet das Urteil als ungerecht. Es ist von versprochenen Rabatten die Rede und von zurückgegebenen Fässern und allerlei Dingen, von denen bisher nie gesprochen wurde. K. geht in die Berufung. Am 29. Februar 1952 entscheidet das Landgericht Bonn: Der K. hat DM 80,28 plus Zinsen zu zahlen.

(3) Diese Summe ist nun dem Kläger wie dem Beklagten völlig unverständlich. Kein Wunder: Das Gericht hat sich verrechnet. Und Heil hält das Urteil auch ansonsten für völlig falsch. Nun will er ein richtiges Urteil, zumindest ein Urteil ohne Rechenfehler. "Nicht zu machen", sagen die Richter in Bonn, "es ist zwar ein falsches, aber ein rechtsgültiges Urteil. Es ist ein letztinstanzliches Urteil. Berufung oder Revision ist nicht möglich..."