Gefühl bringt Stimmen – 4000 Kilometer im Flugzeug des Vizepräsidenten

Florida-Delaware, Ende Oktober

Hirzels Beerdigungsinstitut steht in dicken schwarzen Lettern auf den Lehnen der Klappstühle, auf denen Patricia und Richard Nixon Platz nehmen. Das gleiche republikanische Bestattungsunternehmen in Wilmington hat auch die Sitzgelegenheiten für die Lokalprominenz und die Presse gestellt. Nomen est omen? Keiner schien sich daran zu stören. Der zweite Mann im Staate, der sich um das Amt des ersten Mannes bewirbt, blättert gelangweilt in einem Buch. Als er es etwas anhebt, kann ich den Titel lesen: "Richard Nixon" – eine Biographie von Earl Mazo.

Der Vizepräsident, seine Wahlstrategen und die Presse-Equipe, die bleich und übernächtigt in Hirzeis Stühlen hängt, waren nach heißem Wahlkampftag in Florida erst in den frühen Morgenstunden mit dem gecharterten Düsenflugzeug in Wilmington gelandet. Dennoch sieht man dem Kandidaten der Republikaner die Strapazen der letzten Wochen, des letzten Tages nicht an. Der einfache blaue Einreiher kontrastiert wirksam zu seinem gebräunten Gesicht. "Er hat sich wieder geschminkt", tuschelt mir ein Fernsehreporter zu. Die "Image", das Bild, das man seinen Wählern von sich selbst bietet, ist im amerikanischen Wahlkampf diesmal von ausschlaggebender Bedeutung. Zwei junge, kraftvolle, ehrgeizige Männer bewerben sich um die Präsidentschaft. Da können die Nuancen entscheiden.

Bratenrock und Blumenhütchen

Wir dürfen nicht lange auf Hirzeis Stühlen sitzen. Die Kapelle intoniert die Nationalhymne. Dann setzen wir uns wieder. Eine füllige Negerin tritt ans Mikrophon. Sie singt "America". Alles steht wieder auf, setzt sich abermals. Ein Geistlicher tritt an das Mikrophon. Man steht wieder auf. Er erfleht den Segen des Herrn für den Kandidaten. Man setzt sich wieder. Eine zweite füllige Dame weißer Hautfarbe löst den Geistlichen ab. Sie fordert uns alle auf, wir möchten uns erheben, um den "Eid auf die Fahne" zu sprechen. Jetzt bleiben wir einfach stehen. Da tritt aber ein bunt mit Nixon-Plaketten dekorierter Herr im Bratenrock an das Mikrophon und bittet alle, sich nunmehr hinzusetzen.

Er begrüßt "Dick" Nixon in Wilmington und schließt mit der zuversichtlichen Behauptung: "Sicherlich wird eines Tages in dem Zimmer, an dem Bett, in dem Sie heute nacht geruht haben, eine Plakette mit der Aufschrift hängen: Hier schlief ein Präsident der Vereinigten Staaten." Großer Jubel.