Von Wolfgang Paul

Skiferien mit Fernschreibanschluß im Haus – nun ja: dem Komfort sind keine Grenzen gesetzt, aber für manche zählt eben doch nicht die Menge der Berglifts, der Seilschwebebahnen, der Idiotenwiesen und landesüblichen Bräuche. Das seltsame Gefühl, abgeschnitten von der Geschäftswelt zu sein und doch jederzeit fähig, einzugreifen, ist heute en vogue. Und es ist nicht einzusehen, weshalb man auf ein Hallenschwimmbad, das zum Hotel gehört, das eine Sauna aufweist, verzichten soll, wenn man es nicht muß.

Wir sprechen vom Hotel Astoria in Seefeld (Tirol), am Berghang über der Autopiste Mittenwald–Innsbruck, und zwar so weit entfernt, daß man den Straßenlärm, die Unruhe des Wintersportortes nicht hört. Uns verschlug es dorthin, als wir Tor dem Brenner noch einen Unterschlupf zur Nacht suchten. Das Hallenschwimmbad war es, das uns Tom Berghang entgegenleuchtete mit faszinierendem Licht, schöner Wärme und dem Zug zum Snobismus, dem man im Urlaub zuweilen ganz gern begegnet.

Seefeld ist ein Zentrum alpinen Sports, 1200 Meter hoch gelegen, mit Berglifts und Seilschwebebahnen, die bis zu 2100 Meter hoch entführen. Aber das gibt es auch anderswo. Es finden sich angenehme Hotels und Pensionen im Ort, ringsum auf den Abhängen, unter den lawinenfreien Skipisten. Aber das Nonplusultra des Ortes ist das Hotel "Astoria". Sein Hallenbad ist von den Zimmern erreichbar durch eine Loggia, die südliche Flora beherbergt. Im vorgewärmten Wasser, angesichts der Berge, des Schnees und Skifahrern läßt es sich sehr angenehm baden – man zahlt keinen Eintritt, wenn man Hotelgast ist. Auch die Sauna in frei, der Bademeister steht bereit, die Anmut der dienenden jungen Mädchen ist überdurchschnittlich: Grandhotel, aber schön einfach, ohne Allüren und falsche Pracht. Entsprechend die Preise – sie übersteigen nicht jene in erstklassigen Großstadthotels der Bundesrepublik, wo man freilich kein eintrittsfreies Hallenschwimmbad und keine Sauna, auch selten eine erhabene Landschaft ringsum im Preise eingeschlossen erhält. Das Essen vorzüglich, die Zimmer mit Radio, und – der Fernschreibanschluß.

Hinter dem Hotel sind im Sommer die Almviesen, im Winter das Skiparadies offen – und dazu das Gefühl, wie in einem Luftschiff über Ort, Raum und Zeit schweben zu können. Wer woanders in Seefeld wohnen will, kann natürlich die Annehmlichkeiten eines Bades nach dem Wintersport auch haben, gegen einen Eintrittspreis, der recht gepfeffert ist.

Auf der Suche nach Gegenden, die uns im Winter glücklich machen wollen, fanden wir dieses Seefeld. Aber wir suchten auch höchsten Komfort. Schöner Luxus für längere und kürzere Zeit – hier ist er zu besichtigen und zu genießen.

Wem der Luxus auf die Dauer zu gewöhnlich und zu teuer wird, dem kann jedoch geholfen werden. Er möge sich nach Lofer im Länderdreieck Salzburg–Tirol–Bayern begeben, ebenso leicht erreichbar wie Seefeld. Wir suchten dort Quartier, als wir vom Großglockner kamen. Der Ort ist ganz still, nur ein Berliner Reisebüro versorgt ihn mit so viel Leuten, wie ein Bus faßt. Hier kann man ganz billig wohnen, leben, sich erholen. Die Loferer Alm ist hier das Nonplusultra mit dem "Haus Gertraud in der Sonne" am schönsten Punkt der Hochfläche (Sonnenscheindauer zu Weihnachten siebeneinhalb Stunden, Ende Januar bereits achteinhalb, Ende März zwölf).