Die paar freundlichen Worte Chruschtschows, die er kürzlich in einem Gespräch mit Botschafter Kroll über den Bundeskanzler hat fallenlassen, das Fehlen grober aggressiver Formulierungen in seiner nächsten öffentlichen Rede über die Bundesrepublik (angeblich als Folge jenes Gesprächs) – diese, man muß schon sagen: Kuriosität, wurde im Palais Schaumburg mit Interesse zur Kenntnis genommen. Viele Gerüchte kursierten. Manch einer baute kühne Luftschlösser (Treffen Adenauer–Chruschtschow) auf diesen flüchtigen Nebelstreif am östlichen Horizont.

Daß der Kanzler den phantasievollen Architekten nicht ins Handwerk redete, was die redliche Besorgnis der SPD hervorrief, lag gewiß nicht daran, daß Adenauer sich plötzlich Illusionen hingab; sollte er da irgendwelchen Träumen nachhängen, so doch wohl nur wahltaktischen. Welch unschlagbare "Kombination": der unbeirrbare, fest im Westen verankerte Konrad Adenauer, der zugleich der einzige ist, mit dem Chruschtschow zu reden bereit ist... S.