Eigentlich sollten wir uns wohl etwas darauf einbilden, daß unsere mit Hilfe unserer Vertrauensbuchhandlungen vor sechs Wochen aufgestellten Bestseller-Prognosen alle so schön in Erfüllung gehen: Mit Ausnahme der Lawrence-Erzählungen (die als "Buch der Neunzehn" sowieso von vornherein die besten Aussichten hatten), ist diesmal kein einziges Buch auf dem Seller-Teller – oder fast auf dem Seller-Teller–, dem damals nicht Bestseller-Ehren prophezeit worden wären; dennoch macht es uns herzlich wenig froh, recht zu haben. Daß wir in diesem Maße recht haben, zeigt nämlich eins: daß das Schicksal der Bücher weitgehend schon entschieden ist, ehe sie überhaupt an den Buchhandel ausgeliefert werden, daß schon vorher feststeht, für welche Titel man sich besonders einzusetzen gedenkt, und daß ein Außenseiter (gewiß gibt es doch Außenseiter-Bücher, von denen vorher niemand hörte und in denen doch allerhand steckt, was sie dem Publikum empfehlen könnte!) gegen die Phalanx der Bestseller-Kandidaten nicht oder nur schwer aufkommt. Auf die Richtigkeit unserer Prognosen unter solchen Umständen stolz zu sein, ist wenig angebracht; sie waren keine verdienstliche Hellseherei, sie waren, scheint es, beschlossene Sache.

Genau wie vorausgesagt, steht an erster Stelle das Buch der Alma Mahler-Werfel, der Frau, die gar so vielen bedeutenden Männern nahegestanden und nahegelegen hat, wie ihre Leserin Hannelore meinte, die wie die meisten Frauen ihren Geschlechtsgenossinnen gegenüber zur Unnachsichtigkeit neigt.

Die "Rote", das Babylonbuch, die Mokassins – lauter alte Bekannte, und auch die "Memoiren des Peterhans von Binningen" waren schon das letzte Mal auf dem besten Weg zum Seller-Teller-Gipfel.

Dies wäre er also, der Seller-Teller des Büchermonds Oktober, und wir haben, so wahr uns St. Gallup helle, nicht dran gedreht und dran geschoben, wie uns hin und wieder der eine oder andere konkurrenzneidische Autor oder Verleger zu unterstellen sucht. D. E. Z.