Berberjungen grüßen französisch – Massentourismus im Luxusreiseland

Von Eka von Merveldt

Im orientalischen Dunkel der Halle des Hotels "Anfa" schiebt ein Fremdenführer an dem Platz, an dem sich im Kriegsjahr 1943 die westlichen Staatsmänner trafen, vier Amerikaner wie Schachfiguren hin und her: Hier stand Roosevelt und hier Churchill ... Auf der Dachterrasse mit dem Blick über die moderne, weiße Stadt und die anrollenden Wogen des Atlantiks trinken die hochgestimmten Gäste einer "Cruise New York–Nordafrika–Südamerika" in Erinnerung an den historischen Tag Champagner. Eine vitale Texanerin im hohen Pelzhut ruft jauchzend im strahlenden Sonnenschein: "I‘m bewildered of this cruise and this country. It’s like in California".

Casablanca, der größte Hafen Afrikas, heißt es, stellt einen "beachtenswerten Sieg der Technik über ungünstige natürliche Voraussetzungen" dar. Ein künstlicher Hafen, die Kais wachsen aus dem breiten, flachen Sandstrand, geschützt von einer vier Kilometer langen Mole. Hier wird ein sehr großer Teil der Landwirtschafts- und Industriegüter umgeschlagen, die das Land exportiert; mit neun Millionen Tonnen Phosphat steht Marokko an 3. Stelle der Weltproduktion.

Die rasch gewachsene Stadt hat jetzt fast 500 000 Einwohner, viele Arbeitslose darunter, die nach dem Weggang der vielen Franzosen und dem Abzug der alliierten Befreiungsarmee der Amerikaner brotlos wurden an der Küste, die sie magisch anzog.

Wer Casablanca als Eingangstor nach Marokko wählt, ist gut beraten. Noch vertraute Großstadt von amerikanischem Schwung, in der Architekten aus vielen Ländern ihre Phantasie erprobt haben, voll nervöser Aktivität der Gegenwart, und doch schon die erste Ahnung von Orient und Afrika.

El Jadida – Essaouira