Der Markt der festverzinslichen Werte zeigt im Augenblick ein recht freundliches Gesicht. Vor allem sind Anleihen der öffentlichen Hand gefragt. Das Interesse kommt vornehmlich aus dem Ausland. Man schätzt dort deutsche Staatsanleihen als Anlagewerte hoch ein, weil sie eine attraktive Verzinsung bringen, von einem zahlungskräftigen Fiskus garantiert sind und darüber hinaus noch auf konvertible Währung lauten. Es ist daher nicht daran zu zweifeln, daß die für dieses Jahr noch vorgesehene Anleihe der Deutschen Bundespost im Betrage von 150 Mill. DM ihre Abnehmer finden wird, sofern die Konditionen ähnlich gut gehalten werden wie die der Anleihe 1960 der Deutschen Bundesbahn (6,5 vH, Ausgabekurs 97 vH).

Einen Zinssatz von 6 vH wird die Bundespost aber wohl bieten müssen, denn die Industriekreditbank will demnächst mit einer Emission herauskommen, die noch mit 6,5 vH verzinst werden soll. (Laufzeit 12 Jahre, Ausgabekurs noch unbestimmt.) Hier fehlen allerdings die ausländischen Interessenten. Zur Zeit offeriert die Post über einige Banken Schuldscheine, die sich zu 6,75 vH verzinsen. Bei einer mittleren Laufzeit von siebeneinhalb Jahren, einen Ausgabekurs von 99,5 vH ergibt sich eine Rendite von fast 7 vH, was immer noch ein wenig mehr ist als das, was 6prozentige Hypothekenpfandbriefe bringen, die heute an der Börse mit etwa 96 vH notieren. Die Kurse dieser Pfandbriefe lagen vor kurzem noch bei 91 vH. Sie haben sich also in den letzten Wochen gut erholt. Das sollte allerdings nicht zu einer Überschätzung der Aufnahmefähigkeit des Marktes führen. Vorerst ist nämlich das Angebot der Realkreditinstitute an Pfandbriefen relativ gering. Die Bauherren, nicht zuletzt die großen Baugesellschaften, halten mit der Hypothekennachfrage zurück, weil sie für die Zukunft mit sinkenden Zinssätzen rechnen. Zumindest möchten sie die vor der Tür stehende Diskontsenkung hinter sich wissen, um bessere Klarheit über die Marktlage zu gewinnen. Die Meinungen darüber, ob diese, wenn sie nicht von einer Freigabe der Liquidität begleitet wird (woran die Bundesbank im Augenblick sicher nicht denkt) auf den Rentenmarkt durchschlagen wird, gehen auseinander. Bis jetzt sehen die Realkreditinstitute keine Stellen neben dem privaten Sparer, die bereit sind, große Beträge an Pfandbriefen zu übernehmen, findet der Attentismus der Bauherrn sein Ende und stößt eine große Nachfrage nach Hypothekendarlehen wieder auf den Markt, dann wird sich wahrscheinlich erweisen, daß die fällige Diskontsenkung bereits vom Markt vorweggenommen ist.

Eine weitgehende Schonung des Rentenmarktes ist daher nach wie vor notwendig. Zurückgewinnen läßt sich das Sparerpublikum nur, wenn bei Zinsen und Konditionen eine gewisse Stetigkeit erreicht wird; dafür aber ist Voraussetzung, daß sich die Nachfrage dem Angebot anpaßt. W. R.