H. W., Flensburg

In der Nacht zum 13. Januar 1960 erschoß der damalige Panzergrenadier Uwe Timm aus Hamburg – als Posten im Kasernenbereich Flensburg-Weiche eingeteilt – einen Gefreiten einer anderen Einheit, der sich "in Zivilkleidung in verdächtiger Weise an abgestellten Kraftfahrzeugen zu schaffen machte".

Der Vorsitzende des Flensburger Schwurgerichts, vor dem sich Timm in diesen Tagen wegen Körperverletzung mit Todesfolge zu verantworten hatte – er wurde nach eintägiger Verhandlung wegen erwiesener Unschuld freigesprochen –, erklärte am Schluß der Urteilsbegründung: "Es ist allerhöchste Zeit, daß der Gesetzgeber, der die Verantwortung für die Bundeswehr und damit für die jungen Staatsbürger, die in der Bundeswehr ihren Dienst leisten, übernommen hat, dafür sorgt, daß klare, eindeutige Bestimmungen über den Waffengebrauch in der Bundeswehr geschaffen werden. Es ist unzumutbar, die noch offenen, brennenden Fragen den Gerichten oder gar den Soldaten selber aufzubürden."

Weil das Gesetz fehlte, waren alle überfordert. Diejenigen, die die Wachvorschriften ausarbeiteten, diejenigen, die sie auszulegen, und diejenigen, die sich nach ihnen zu richten hatten. Denn was soll man von einer Wachvorschrift halten, in der ziemlich lapidar gesagt wird, daß der Gebrauch der Schußwaffe nur bei Notwehr erlaubt ist und bei "einem Angriff gegen die Kaserne"? Was ist ein Angriff gegen die Kaserne? Das konnte keiner der Zeugen erklären.