Leserbriefe: "Traditionsgemäß: Es geht vorwärts", ZEIT Nr. 45, und "Katholiken rechts raus", ZEIT Nr. 44; Heinz Michaels: "Kommiß auf Raten", ZEIT Nr. 42

Der Leserbrief des Gefr. Dittweiler in Ihrer Zeitung erregt meinen Unwillen a) gegen den verantwortlichen Redakteur, b) gegen den Schreiber des Briefes, c) gegen die von diesem geschilderten Vorfälle. Erklärungen zu:

a) Allein durch den Abdruck des Briefes, wobei dem Schreiber desselben nicht Nörgelei und dem Redakteur keine Obergefreitenkomplexe unterstellt werden, leisten Sie jenen Elementen Vorschub, die methodisch Wehrunwilligkeit in der Bundesrepublik erzeugen wollen.

b) Der Vorwurf gegen den Untertan mit einigen Bürgerrechten" richtet sich gegen den Untertan. Warum macht er nicht von diesen "einigen Bürgerrechten" Gebrauch, zu denen auch die Wehrbeschwerdeordnung und der Wehrbeauftragte zählen? Ein flammend-resignierender Protest an DIE ZEIT ersetzt nicht die Zivilcourage, am Tag nach dem bedenklichen Fall von "Öffentlichkeitsarbeit" dem Kompaniechef eine Beschwerde auf den Schreibtisch zu legen, und ich behaupte: Kein Chef wird untätig bleiben!

c) Die Vorfälle sind nicht mehr mit "Aufbauschwierigkeiten" zu entschuldigen, sie kennzeichnen treffend die Schwierigkeiten einer "zeitgemäßen Menschenführung", wie General Baudissin sie fordert. Ein Mißstand – nicht genug qualifiziertes Ausbildungspersonal, zu großzügige Deutung des Begriffs Dienstaufsicht – scheint vorhanden. Diesen Mißstand zu beseitigen, heißt aber einen unbequemen Weg gehen und den Artikel 17a des Grundgesetzes anerkennen.

Ihre Anregung "für noch nicht so erfahrene Spieße" ist leider noch nicht einmal witzig, hoffentlich nur sinnlose Polemik.

Jochen-Harro Bierzunski, Leutnant, Stade