In Bagdad haben am vergangenen Wochenende Verhandlungen zwischen Jordanien und Irak über die Wiederaufnahme normaler Beziehungen begonnen. Normale Beziehungen, das heißt, Botschafteraustausch, Reise-, Transport- und Postverkehr. Die Telephonverbindungen sind bereits wiederaufgenommen, die Grenz- und Zollposten in der Wüste neu besetzt worden.

Als am 14. Juli 1958 die Revolution im Irak ausbrach, die Königsfamilie und Ministerpräsident Nuri Said ermordet wurden, waren diese Beziehungen abgebrochen worden. Es wird König, Hussein nicht leicht fallen, dem Verkehr mit den Mördern seines Vetters Faisal die Wege zu ebnen und das revolutionäre Regime Kassems in Bagdad anzuerkennen.

Es wird aber immer deutlicher, daß die tödliche Rivalität zwischen Nasser und Kassem allmählich dahinschwindet, was für Jordanien die Gefahr einer ägyptisch-irakischen Einkreisung heraufbeschwört. Präsident Nasser wird nicht müde, immer neue Beschuldigungen und Beleidigungen gegen Jordaniens König zu schleudern und manch einer ist überzeugt, daß Kairo hinter der Ermordung des Ministerpräsidenten Hazza Majali im August dieses Jahres in Amman stand.

Das alte Balance of Power-Spiel im Nahen Osten wird um eine neue Nuance bereichert: Hussein hofft, seine eigene Stellung mit Hilfe Kassems zu befestigen und als Gegengabe den Irakis behilflich zu sein, die Separatisten Syriens gegen die Union mit Ägypten aufzustacheln. D.