Nach wochenlangem Abbröckeln der Kurse scheint die Pariser Börse ihr Gleichgewicht wiedergefunden zu haben.

Aber diese zurückliegende stille Periode war trotzdem reich an erregenden Ereignissen. Die Wirkungen der Goldhausse, die immer klarer als weltweiter Angriff auf den Dollar interpretiert werden kann, klingen ab. Die Aufregung an den Goldmärkten, die sehr leicht durch eine kräftigere Ermäßigung des englischen Diskontsatzes hätte gebannt werden können, und diesmal (was zu betonen ist) mindestens in Paris nicht durch französische Käufe unterstützt wurde, ist zwar abgeebbt. Geblieben aber ist die noch immer über die Schweiz kommende amerikanische Nachfrage, der die Banque de France durch massive Abgaben von französischen Goldmünzen, die gegenüber Feingold wieder ein Agio von 20 vH erreicht haben, begegnet.

Auch die Hausse in südafrikanischen Goldminen-Shares, die an der französischen Börse in großer Zahl seit altersher notiert werden, hat sich fortgesetzt. Die Gewinne auf Südafrikanern sind, je nach den Dividendenaussichten, verschieden und betragen zwischen 20 und 6 vH. Diese Aufwärtsbewegung scheint sich fortzusetzen, wobei scharf zwischen den unterschiedlich zu bewertenden alten und neuen Minen differenziert wird.

Das wichtigste innerfranzösische Ereignis, das aber europäische Maße annimmt, ist die lange erwartete Fusion in der Textilindustrie unter Führung von CELTEX. CELTEX nimmt SOPARA, deren wichtigste Beteiligung die VISCOSE SUISSE ist, auf, und erweitert seinen Interessenkreis gleichzeitig durch Übernahme der Gesellschaften La Cellophane und der ETS. MARECHAL. Cellophane und die große chemische Gesellschaft Rhône-Poulenc besitzen zu gleichen Teilen die Compagnie Industrielle de Plastiques Semi-Ouvrés. Die ETS. MARECHAL, die Gewebe aus Plastic, Kautschuk und Wachstücher herstellen, sind eine Filiale der Holding "Textiles", früher Gillet-Thaon. Die Aktien der Gesellschaft Textiles haben während der Baisse-Zeit ihre Kurse gut halten können. Es wird erwartet, daß die Zusammenschlüsse in der Textilindustrie noch nicht beendet sind, und weitere Unternehmungen, zum Beispiel Schappe-Lyon in diese Kombination einbezogen werden.

Aufmerksam werden an der Börse ferner die Bewegungen in der Automobilreifenindustrie beobachtet. Auf diesem Gebiet hat sich ein scharfer Wettbewerb entwickelt. Die Annäherung von Citroën und Simca, über die wir bereits berichtet haben, wird verschieden interpretiert. Es sind sowohl Gerüchte im Umlauf, daß Michelin in Verhandlungen mit Chrysler wegen Abgabe seines Citroen-Paketes, als auch in Besprechungen wegen der Übernahme des 25 vH betragenden Simca-Anteils (das Chrysler gehört) stehe. Michelin deckt über 50 vH des französischen Reifenbedarfs; 80 vH des französischen Exportes in Reifen wird von Michelin geliefert. Durch die Transaktion Citroën-Simca scheint sich Michelin die Versorgung der Simcawagen, die bisher von Kleber-Colombes und Dunlop beliefert wurden, gesichert zu haben. Nun hat auch Goodyear bei Amiens eine Fabrik, in der vom nächsten Jahre ab 2000 Reifen täglich hergestellt werden sollen, errichtet. Dunlop wird in Frankreich 4000 Reifen täglich produzieren. Dieser Wettbewerb, der als Vorzeichen für neue Zusammenschlüsse – auch in der Automobilindustrie – gedeutet werden kann, wird nicht nur die Reifenerzeugung, sondern auch die Zulieferindustrien in Atem halten. RETLAW