Von allein wäre ich nie auf die Idee gekommen, einen eigenen Fernsehsender zu gründen, obwohl das schon immer zu meinen liebsten Wünschen gehörte. Erst als unser Kanzler, schon in so vielem mein großes Vorbild, mit gutem Beispiel voranging, faßte ich den Entschluß, es ihm gleichzutun.

Warum der Kanzler einen eigenen Sender haben will, das weiß man – wobei ich die landläufigen Ansichten darüber weiter unten korrigieren werde.

Bei mir ist es einfach so, daß jeder, der als Autor einmal mit dem Fernsehen zu tun hatte, über kurz oder lang den Wunsch verspürt, einen eigenen Sender zu besitzen; nicht nur, um dort seine Arbeiten ohne weitere Umstände unterbringen zu können, sondern auch, um endlich einmal auf dem Bildschirm Sendungen zu sehen, an denen er beim besten Willen nichts aussetzen kann.

Nun glaubte ich allerdings lange Zeit, es werde beim Wunsche bleiben, weil ich von der Post, mit der Begründung, da könne ja jeder kommen, keine Erlaubnis bekommen würde. Das waren aber törichte Vorurteile. Die Post ist gar nicht so, wie man glaubt. Jeder erwachsene Staatsbürger kann so einen Sender errichten. Es muß nur erst einer auf die Idee kommen – und das war in diesem Falle eben unser Kanzler.

Dabei habe ich mich natürlich gefragt, wieso er bei der Vielzahl an Würden und Bürden, die er schon zu tragen hat, nun auch noch einen eigenen Sender betreiben möchte. In dieser Hinsicht bin ich aber aus der Umgebung des Kanzlers belehrt worden. Schon als Kind, als es noch gar kein Fernsehen gab, schweifte der Blick des kleinen Konrad häufig in die Ferne. Was man gemeinhin als Drang in die Ferne bezeichnet, war bei ihm Fernsehdrang. Es ist nicht von ungefähr, daß man an ihm später seinen Weitblick rühmen wird. Als das Fernsehen schließlich erfunden wurde, stand es für Konrad Adenauer fest, daß er in spätestens zwei oder drei Jahrzehnten einen eigenen Sender haben würde. Sein Sendungsbewußtsein ist ja sehr ausgeprägt.

Nun hat er dieses Ziel bald erreicht; und ich brauche mich meinerseits nur an seine Fersen zu heften, dann habe ich es auch geschafft. Die gröbsten Steine – die Einwände der Länder näm- – lich, die sich immer noch einbilden, wir seien ein föderalistischer Staat – hat er für alle, die mal einen eigenen Sender besitzen wollen, aus dem Wege geräumt.

Was man ihm zubilligt, kann man mir schwerlich versagen. Wir leben ja schließlich in einem Rechtsstaat, und vor dem Gesetz sind alle Bürger gleich. Dabei kommt mir auch zugute, daß ich aus den ersten, begreiflichen Fehlern unseres Fernsehpioniers lernen konnte. Ich dächte zum Beispiel gar nicht daran, unseren Justizminister zum Mitgesellschafter zu machen. Wenn sich bei meinem Sender junge Damen melden, die gerne Ansagerinnen werden wollen, dann sollen sie gleich zu mir kommen. Ich bin mein eigener Gesellschafter, genau wie der Kanzler, und also in bester Gesellschaft; damit ist auch die so heftig geforderte Unabhängigkeit garantiert.