Kein Verschulden deutscher Flieger – aber Fehler auf britischer Seite

R. S., Bonn, im November

Das britisch-deutsche Kommuniqué über die angebliche Gefährdung des Flugzeugs der englischen Königin ist seit eineinhalb Wochen fertig und unterschrieben. Es wurde nach sorgfältiger Prüfung des Vorgangs von britischen und deutschen Experten formuliert. Aber als es veröffentlicht werden sollte, erhoben die Engländer Einwände. Sie wollten nicht, daß das Ergebnis, so wie es sich bei der Untersuchung ergeben hatte, der Weltöffentlichkeit mitgeteilt werde. Nur Auszüge aus dem Untersuchungsergebnis wollten sie veröffentlichen.

Wir können verstehen, daß es den Briten, die mehrere Fehler begingen, peinlich ist, mit der Wahrheit herauszurücken. Aber die Fairness hätte geboten, der Welt die Wahrheit zu sagen, nachdem ein Teil der britischen Presse in riesigen Schlagzeilen die deutschen Düsenjäger leichtfertiger Gefährdung des königlichen Flugzeugs bezichtigt hatte.

Inzwischen hat sich herausgestellt, daß der angebliche Zwischenfall in Wahrheit gar nicht stattgefunden hat. Es wurde nämlich festgestellt, daß sich die deutschen Düsenjäger nicht, wie der britische Ko-Pilot behauptet hatte, bis auf 15 Meter dem Flugzeug der Königin genähert haben (eine Schätzung, die von vornherein nur mit Skepsis aufgenommen werden konnte), sondern daß die deutschen Flieger die durch die internationalen Flugsicherheitsbestimmungen vorgeschriebene Distanz von mindestens tausend Fuß (300 Meter) eingehalten haben.

Es ergab sich weiter, daß sie nur infolge eines britischen Versäumnisses überhaupt in die Lage kamen, dem Flugzeug der Königin zu begegnen. Für den Flug der Königin wurde nämlich, wie man hört, ursprünglich eine andere Höhe gemeldet. Nachträglich wurde aber von britischer Seite vergessen, diese Höhenänderung den zuständigen Dienststellen der deutschen Luftwaffe mitzuteilen.

Die "Comet" flog über 8000 Meter hoch, also im sogenannten unkontrollierten Raum. Bei Flügen in solcher Höhe haben vorschriftsgemäß beide Piloten in der Flugkanzel zu sein. Entgegen dieser Vorschrift war aber der Chefpilot während des angeblichen Zwischenfalls, wie in britischen Zeitungen zu lesen war, im Passagierraum in einer Unterhaltung begriffen.