Als eifriger Leser Ihres Blattes habe ich auch die Abhandlung auf Seife 18 in Nr. 43 vom 21. 10. d. J., "Verletzt der Bund seine Schuldnermoral?" ("Brabag-Obligationäre und Schantung-Handels-Aktionäre"), gelesen.

Meines Erachtens kann die aufgeworfene Frage von jedem rechtlich Denkenden nur mit einem uneingeschränkten und kräftigen "Ja" beantwortet werden.

Die beiden angeführten Fälle dürften nicht die einzigen sein, welche beweisen, daß das Verhalten des Bundes mit rechtsstaatlichen Grundsätzen unvereinbar ist.

Da ist z.B. das Kapitel "Steuergutscheine". Diese waren damals für jeden normalen Staatsbürger, der juristisch nicht vollkommen durchgebildet und auf dem Gebiet "Geld, Bank, Börse" nicht hundertprozentig bewandert war, eine genauso unzweifelhafte Schuldverpflichtung des damaligen "Driften Reiches" wie jede Schatzanweisung, Anleihe und sonstige Verpflichtung des Reiches. Diese hat man nach langem Hin und Her schließlich mit 10 vH aufgewertet und abgelöst mit einer neuen langfristigen Anleihe bei niedriger Verzinsung, während man jene mit oder ohne irgendwelche fadenscheinige Begründung unter den Tisch fallen ließ.

Kann man unter solchen Umständen zu unserem heutigen Staatswesen und seinen führenden Leuten und Parteien noch Vertrauen haben? Muß man sich wundern, wenn vielfach die Meinung besteht, wir einfachen Staatsbürger wären unter die Gewalt "moderner Raubritter" geraten?

Roland Wirtz, Dortmund