Mit großer Aufgeschlossenheit befaßt sich die Schwäbische Hüttenwerke GmbH, Wasseralfingen (je zur Hälfte im Besitz der Gutehoffnungshütte und des Landes Baden-Württemberg) in ihrem Bericht für das Geschäftsjahr 1959/60 (31.3.) mit aktuellen unternehmerischen Problemen in Zeiten einer Hochkonjunktur. Die Verwaltung warnt vor allem davor, längere Lieferfristen überzubewerten. Lieferfristen sollten bei den Unternehmen erst nach sorgfältiger Prüfung der Marktlage zu einer Erweiterung der Kapazität veranlassen. Für ihren Bereich (Guß-, Schmiede- und Walzwerkserzeugnisse, Maschinen-, Ofen- und Weichenbau) bestehe sogar auf weitere Sicht eher die Gefahr eines Überangebots, vor allem auch im Hinblick auf die zunehmende Konkurrenz aus den EWG-Ländern. Die Gesellschaft rechnet damit, daß in ihrem Auftragsbestand, der sich im Berichtsjahr von 16,4 auf 36,4 Mill. DM mehr als verdoppelt hat und bis Ende August dieses Jahres weiter auf 47 Mill. DM gestiegen ist, "Luft" ist.

Demnach sieht die Verwaltung ihre Hauptaufgabe in den Investitionen. Die Knappheit an Arbeitskräften zwinge zu rationellster Fertigung und zu einer ständigen Modernisierung der Anlagen. Die Gesellschaft will ihre Tätigkeit noch stärker auf hochwertige Waren ausrichten, die einer geringeren Konkurrenz – auch vom Ausland her – ausgesetzt sind, und sich durch Spezialisierung einen Vorsprung sichern. Dabei will sie aber vermeiden, in die Abhängigkeit einzelner Branchen zu geraten oder durch eine zu große Beschränkung des Sortiments den Wünschen des Marktes nicht mehr gerecht werden zu können.

Die größte Sorge bereitet dem Unternehmen die derzeitige Lohn- und Arbeitszeitpolitik, die nach seiner Ansicht nicht genügend an der Steigerung der Produktivität und an dem Zuwachs des Sozialprodukts orientiert werde. Wenn sie auch resignierend eingestehen muß, daß die Hochkonjunktur keine gute Zeit dafür sei, die Erkenntnis, daß die Wirtschaft überfordert werde, allen Beteiligten klar werden zu lassen, so mahnt sie doch, daran zu denken, daß die jüngsten Lohn- und Gehaltserhöhungen auf die Dauer bezahlt werden müßten. Auch der Wettbewerb sei dann kein Allheilmittel, wenn höhere Personalkosten im Preis weitergegeben werden müßten. Im übrigen bestreitet die Gesellschaft zumindest für sich, daß die Produktivität mehr zugenommen habe als der Lohnaufwand, der bei ihr im vergangenen Jahr je Stunde um 10,2 vH gewachsen sei. In diesem Ausmaß sei die Produktivität nicht gefolgt.

Die Ertragslage hat sich vor allem durch die gleichmäßig gute Beschäftigung verbessert, wobei Kostendegressionen entscheidender waren als der Produktivitätszuwachs. Jedoch hat die Gesellschaft immer noch Fertigungen, die preislich nicht befriedigen, mit Rücksicht auf die Vollständigkeit des Produktionsprogramms aber auch nicht abgestoßen werden können. Der Jahresertrag verbesserte sich auf 29,9 (25,8) Mill. DM. Das Kapital von 5 Mill. DM wird mit einer von 7 auf 9 vH erhöhten Dividende bedient. C. D.