K-a, Frankfurt

Längst sind die Sitze im neuen Frankfurter Stadtparlament verteilt, längst arbeiten die seinerzeit so streitbaren Parteien wieder friedlich und sachlich zusammen – da gibt es im Wahlamt eine kleine Sensation: Im Wahlbezirk 98, einem Teil Sachenhausens, hatte man die Stimmen falsch ausgezählt. Von den dort als ungültig erklärten 46 Stimmen waren 37 einwandfrei gültig und gehörten zum Teil der Deutschen Reichspartei und zum Teil dem Bund der Deutschen.

Offenbar wurde diese "Panne", wie man das peinliche Ergebnis beim Wahlamt nennt, durch das Auftreten eines jungen Mannes, der sich erkundigte, warum laut Wahlergebnis in seinem Bezirk keine Stimme dem Bund der Deutschen gehöre, obwohl er selbst doch ganz gewiß diese Partei gewählt habe.

Die erschrockenen Beamten taten daraufhin etwas, was sie eigentlich nicht dürfen. Sie prüften die Originalstimmzettel, obwohl sich laut Wahlgesetz ihre Prüfung auf Durchsicht des rechnerischen, durch die Unterschrift der Wahlvorstände beglaubigten Ergebnisses beschränken muß. Und dann zitierten sie den Wahlvorstand vom Bezirk 98 (nirgends sonst war ein Fehler entdeckt worden) zur Vernehmung. "So etwas ist mir in meiner ganzen Praxis noch nicht vorgekommen", stöhnte Professor Gunzert, der Leiter des Statistischen Amtes. Auch in Wiesbaden war man "entsetzt."

Was war hier geschehen? Waren die demokratisch-treuen Wahlhelfer, von den beiden größten Parteien SPD und CDU für dieses verantwortungsvolle Amt bestellt, subjektiven Einflüssen in Gestalt unbewußter Abneigung gegen radikale Gruppen erlegen?

Aber es war viel einfacher, denn nichts als ein grotesker Irrtum war hier. Am Morgen der Wahl wollte einer der Helfer im Radio gehört haben, BdD und DRP seien gar nicht zugelassen. Und auch ein Kollege glaubte das. Als dann noch ein Flugblatt der SPD mit einem vorgedruckten Stimmzettel auftauchte, in dem aus propagandistischen Gründen nur die drei Parteien SPD, CDU und FDP aufgeführt waren, war man sich einig: "Das hat das Wahlamt zu spät gehört, die Stimmzettel waren schon gedruckt – aber die beiden letzten Rubriken, (eben DRP und BdD) gelten jetzt nicht mehr." Beim Wahlamt noch mal nachzufragen, scheute man sich – "wir wollten uns nicht blamieren!"

Nun, die geschädigten Parteien machten kein großes Geschrei um die Sache. Sie haben bisher weder die Wahl angefochten, noch Strafanzeige gestellt. Die wenigen zusätzlichen Stimmen hätten ihnen auch kaum mehr etwas genützt. "Das Schlimmste aber, was uns passieren kann, wäre eine Wiederholung der Wahl im Bezirk 98", sagt Professor Gunzert. Man habe sich inzwischen ja auch überzeugen können, daß die Wahlhelfer nicht aus Böswilligkeit, sondern "nur aus Dummheit" das Wahlergebnis verfälscht hätten.