gru, Oberhausen

Bislang war es so: Der Staatsbürger, der am Wahlsonntag seine Pflicht erfüllen wollte, ging in das Wahllokal und ließ sich einen Stimmzettel mit einem Umschlag geben. In der Kabine machte er ein Kreuz hinter dem Namen des Kandidaten, den er in den Gemeinderat, den Landtag oder den Bundestag schicken wollte, steckte den Zettel in den Umschlag und warf ihn in die Urne.

Das soll jetzt anders werden: Was die Wahlurne still schluckte, soll in Zukunft eine Maschine zum Klingeln bringen. Am letzten Montag, einen Tag bevor in den Vereinigten Staaten Tausende solcher Wahlmaschinen in Tätigkeit traten, konnte in Oberhausen die erste Wahlmaschine für Deutschland besichtigt werden.

Nach dem Willen des Erfinders soll der Wähler nun keine Kreuzchen mehr malen. Er bekommt statt dessen, eine Wahlmarke, die er in den Schlitz steckt.

Und der Wahlvorstand soll bei der Stimmauszählung nicht mehr länger über der Frage grübeln: gültig oder ungültig. Denn die Maschine irrt nicht – höchstens der Mensch, wenn er seine Wählermarke in den falschen Parteischlitz wirft. Rückgängig aber läßt sich ein solcher Irrtum nicht mehr machen. Denn was die Maschine einmal im Getriebe hat, das verarbeitet sie auch. Wenn die Wählermarke fällt, dann klingelt die Maschine und registriert die Stimme bei der betreffenden Partei – auch wenn es die falsche ist.

Nutznießer der Maschine sind vor allem die Wahlleiter mit ihren Helfern. Bisher begann die Arbeit für sie, wenn der letzte Wähler das Lokal verlassen hatte. Sie mußten die abgegebenen Stimmen zählen und mit der Stimmenliste vergleichen. Dann mußten sie noch einmal zählen und die Stimmzettel in Parteihäufchen sortieren.

Jetzt können sie das Ergebnis ihres Wahlbezirkes Punkt 18 Uhr am Wahltag vom Zählwerk der Maschine ablesen – streng getrennt nach Parteien. Auch die Gemeinden haben einen Vorteil. Sie sparen einen Teil der Entschädigungskosten, die sie den Wahlmännern für das Zählen zu bezahlen hatten.