Von Jacques Stohler

Hans Langenskiöld ist ein 34jähriger schwedischer Bankier. Er hat – nach einem Studium an der Universität von Uppsala – trotz seiner Jugend bereits neun Jahre praktischer Erfahrung und zwar in einer Bank in Lima, Peru, gesammelt. Seine "unterindustrialisierte" Umgebung hat ihn zu einer interessanten Idee inspiriert.

Bei der Beschäftigung mit praktischen Problemen der Entwicklungshilfe fiel Langenskiöld vor allem eines auf: die zahlreichen internationalen Organisationen, die Kapital und Hilfe vermitteln, haben sich im allgemeinen darauf beschränkt, große oder gar gigantische Projekte in den unterentwickelten Ländern voranzutreiben und zu unterstützen. Für die in diesen Gebieten ohnehin kaum vorhandene oder bestenfalls sehr dünne Schicht von Privatunternehmern des Mittelstandes ist dabei in der Regel kaum etwas abgefallen. Gerade diese "Klasse" könnte jedoch, wenn sie unterstützt und gestärkt würde, zahlreichen Entwicklungsländern eine gewisse soziale Stabilität gewährleisten.

Eine neue Organisation soll sich in Zukunft um die vergessenen Unternehmer kümmern, und zwar nicht nur um kleine und mittlere Betriebe in den Entwicklungsländern, sondern auch um deren Äquivalent in den westlichen Industriestaaten. Auch den amerikanischen und europäischen Firmen, die nicht zum Big Business zu rechnen sind, hat bisher ein geeigneter Ansatzpunkt für Engagements in den unterentwickelten Gebieten und haben Kontakte gefehlt. Dabei ist nicht zu vergessen, daß 80 vH der europäischen Industriebetriebe weniger als 100 Arbeiter beschäftigen.

Die neue, von Langenskiöld gegründete Organisation heißt "Industrial Coordination Bureau" (ICB). Sie wurde im vergangenen Februar in Genf als Vereinigung ohne Erwerbszweck ins Leben gerufen – will also keine Gewinne erzielen – und wird im Oktober des kommenden Jahres ihre Arbeit aufnehmen. Die Zwischenzeit dient dem Aufbau des Stabes und der Gewinnung von Mitgliedern (Unternehmen verschiedener Branchen, Banken, Organisationen).

Den Entwicklungsländern soll die ICB vielfältige Dienste erweisen. Entsprechend Langenskiölds Zielsetzung soll vor allem den weniger finanzkräftigen Unternehmungen unter die Arme gegriffen werden. Was die Vermittlung – um eine solche handelt es sich bei der ICB in allen Fällen – von Ausrüstung anbetrifft, so sollen nicht nur neue, sondern vor allem auch gebrauchte Maschinen und Anlagen aus den Industrieländern an interessierte Firmen in Entwicklungsländern verkauft werden.

Der Plan einer Vermittlung von gebrauchtem Ausrüstungsmaterial entspringt einer einfachen Erkenntnis: Da Arbeitskräfte im industrialisierten "Westen" knapp sind, ist die Ausrüstung der Betriebe in Europa und den USA meist kapitalintensiv und darauf angelegt, Arbeitsstunden einzusparen. Je neuer die Maschinen sind, um so ausgeprägter ist diese Eigenschaft. Schließlich ist die Rationalisierung – im Sinne einer Einsparung von Arbeitskräften – meistens das Hauptmotiv einer vollständigen Erneuerung der Kapitalausrüstung