Am Stadtrand von Saarbrücken: Schmutzigbraune Holzbaracken, morsch und vielfach geflickt, vollgestopft mit ausländischen Fremdarbeitern. Zu vier, sechs oder acht Mann sind sie in engen Räumen zusammengepfercht zwischen doppelstöckigen Holzpritschen, altersschwachen Wehrmachtspinden, rohgezimmerten Tischen und Bänken. An den Decken baumeln nackte Glühbirnen. Das Wohnlager der großen Tiefbaufirma unterscheidet sich kaum von den Fremdarbeiterlagern der Kriegsjahre, nur daß die Baracken inzwischen 15 Jahre älter geworden sind. Einige hundert Meter entfernt steht eine ebenso verfallene Baracke, ebenfalls vollgepropft mit Ausländern. Schamhaft ist sie hinter dem Prachtbau eines neuen Geschäftshauses versteckt. Die Beispiele – auch aus anderen Orten – lassen sich beliebig vermehren.

Einst kamen regelmäßig zur Erntezeit polnische Schnitter auf die ostelbischen Güter. Fast auf jedem Gut gab es die "Schnitterkaserne" – ein Steinbau, nicht besser und kaum schlechter als die Gebäude der einheimischen Arbeiter. Jahrzehntelang dienten diese Schnitterkasernen den sozialistischen Parteiführern als Paradebeispiel für eine Ausnutzung der Arbeiter und die Mißachtung ihrer Menschenwürde.

In diesen Tagen hat sich endlich die Konferenz der Arbeitsminister dafür eingesetzt, daß ausländische Arbeiter in ihrem sozialen Status den einheimischen angepaßt werden. Aber dabei handelt es sich nur um Empfehlungen – wird das ausreichen?

H. M.