Ein bunter Umschlag schmückt das Buch. Es ist nach der Art edler Kunstbücher gediegen gebunden, es ist trotz seines Gewichtes handlich, und die vielen Bilder tun das ihre, auch den mit Werken solcherart verwöhnten Leser zum Lesen zu bewegen –

Fritz Baumgart: "Geschichte der abendländischen Baukunst"; Verlag M. DuMont Schauberg, Köln; 238 S., 184 Abb., 38,– DM.

Hält es, was es den Augen verspricht? Ohne Zweifel hat das Buch einen großen Wert als Nachschlagewerk. Es ist ein gründliches, ein genaues Handbuch, das jedem Lexikon Ausführlichkeit voraushat. Dennoch fällt es schwer, sich diese edelbittere Frucht der Kunstwissenschaft ganz schmecken zu lassen – weil es kein Lesebuch ist: Es ist eine Beispielsammlung "von den Anfängen" abendländischer Baukunst "bis zur Gegenwart". Die Problematik des Begriffes "abendländische Baukunst" braucht man dem Verfasser nicht vorzuwerfen; er hat darüber im Vorwort nachgedacht, und wir respektieren seine guten Argumente. Ein Vorwurf ist es deshalb auch nicht, daß die Gegenwart mit ein paar Seiten am Schluß abgetan wird (das trefflichste Kapitel des Buches überhaupt!), man bedauert es nur.

Man muß dieses Buch sehr genau lesen; dem flüchtigen Blick entzieht es sich gänzlich, weil die etwas starre Ordnung aneinandergereihter und nur durch kurze Überleitungen verbundener Beschreibungen einzelner Bauwerke den Blick aufs Ganze, auf die Entwicklung, auf das Ineinandergreifen von Stilen, Stilsymptomen, "Bauideen" verhindert. Man sieht sich beim Durcharbeiten zuweilen in die Rolle eines Maurers versetzt, der Stein auf Stein setzt und die vielfältige Fassade von Nahem, ohne Distanz, betrachtet. Der klärende Überblick – er verursacht nur dem, der schon ein wenig von der Materie versteht, keine großen Mühen. Manfred Sack