Als der Bundestag am 3. Juli 1955 das Gesetz über die Einführung von Handelsklassen für Obst und Gemüse beschloß, wurden damit echte Qualitätsmaßstäbe geschaffen; für jede Art und Sorte bestehen Beschaffenheits- und Größennormen.

Daß dieses Gesetz schwer zu verwirklichen ist, liegt nicht etwa nur am Widerstand oder der Schwerfälligkeit der Geschäftsleute, Das Publikum scheint wenig interessiert. Der Blick auf die Aufzeichnungen gilt in erster Linie dem Preis, und wenn dieser konveniert, ist der Entschluß nach einem kurzen Blick auf die Ware meistens gefaßt. Im Unterbewußtsein wird zwar durchaus der Handelsklassenbuchstabe wahrgenommen, doch fungiert diese Bezeichnung mehr als Bestätigung der Wahl: bei dem Preis kann, man nicht mehr als "B" verlangen (vielleicht war es aber "C") – oder, im Falle der Auszeichnung mit "A": schließlich kostet Qualität immer etwas... Die genormte Güteklassenbezeichnung wird zur stillen Reklame.

Verstöße mit dem Buchstaben "B" sind seltener; was darunter liegt, wird durchweg als Sonderangebot im Schnellverkauf abgestoßen. Die Klassifizierung "A" muß allerdings für mancherlei herhalten, was auch bei großzügiger Betrachtung nur "B" sein kann. Es handelt sich ja nicht nur darum, frisches und unbeschädigtes Verkaufsgut mit "A" zu bezeichnen, darüber hinaus dürfen an Größe und Reife auch ganz bestimmte Anforderungen gestellt werden.

Zweifelhafte Höherbewertungen sind vor allem in Selbstbedienungsgeschäften, am häufigsten bei Filialunternehmen zu finden – wegen der manches verdeckenden Verpackungsmöglichkeiten. Fragt man einen Filialleiter beispielsweise nach Grund oder Irrtum bei der Einstufung, wird er sich immer auf seine Lieferscheine berufen: ich muß die Ware so auszeichnen, wie sie auf dem Lieferschein steht. Dieses Argument wird auch auf Übriggebliebenes vom Samstag angewandt, solange der Vorrat am Montag reicht; man muß sich eben an seine Dienstanweisungen halten. Bis eines Tages das Ordnungsamt – gezielt oder zufällig – nach dem Rechten sieht. Dann geht es eine Weile gut, um allmählich wieder in die gewohnten Praktiken einzumünden.

Die Ordnungsämter können nicht ständig kontrollieren. Falls ihnen allerdings Klagen unterbreitet werden, prüfen sie nach und verhängen Strafen, die gar nicht gering sind. Aber an Klagen fehlt es eben. Wenn die Irreführungen nicht noch gröbere Formen annehmen sollen, müssen entweder die Verbraucher sich etwas mehr um ihre Belange kümmern oder die Ordnungsämter eine Kampagne gegen das immer mehr aufblühende Unwesen starten C. P.

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Die Mannesmann-Meer AG, Mönchen-Gladbach, hat mit der The Loewy Engineering Co. Ltd. (Dournemouth/England) einen Vertrag zur Lieferung und zum Bau von Anlagen zur Herstellung nahtloser Rohre geschlossen.