Nicht alle der rund 120 000 Aktionäre der Rheinischen Stahlwerke, Essen, mögen von der Kursentwicklung ihrer Papiere in den letzten Monaten befriedigt gewesen sein. Aber es erging ihnen nicht schlechter als den meisten anderen Montan-Aktionären. In den Zeiten der Hausse waren die Chemie- und Elektrowerke die Favoriten; daneben galt das – oftmals rein spekulative Interesse – den Automobil-, Kaufhaus- und Maschinenbauwerten. Trotz der ungewöhnlich guten Beschäftigungslage der Eisen- und Stahlindustrie und der sicheren Aussichten auf kräftige Dividendenerhöhungen waren die Montan-Aktien "phantasielos".

Innerhalb der Montangruppe nahmen die Rheinstahl-Aktien stets eine Sonderstellung ein, nicht zuletzt im Hinblick auf das "gutgemischte" Beteiligungs-Portefeuille des Konzerns, das weit in die Eisen- und Stahl-Verarbeitung und in den Handel hineingreift. Geradezu sagenumwoben war die 32prozentige Beteiligung an Dynamit-Nobel, durch die sich die Rheinstahl-Aktie so schön als "Teil-Chemie-Papier" deklarieren ließ, was den Rheinstahl-Kurs mehr als einmal befruchtet hat. Mit dem Verkauf der Dynamit Nobel-Beteiligung an die Feldmühle (Flick) ist das "Chemie-Bein" von Rheinstahl verloren gegangen. Die Aktionäre wurden mit der Ausschüttung eines Sonderbonus von 10 vH (neben einer Dividende von 12 vH für 1959) darüber hinweggetröstet. Rheinstahl selbst hat Dividende und Bonus über eine Kapitalerhöhung von 100 Mill. DM (4 : 1 zu 180 vH) diesen Betrag (und noch mehr) eingefangen. Aber mit dem Dynamit Nobel-Verkauf hat die Rheinstahl-Aktie nun einmal die Chemie-Phantasie eingebüßt.

Daß sie dennoch etwas "Besonderes" geblieben ist, zeigt der Kurs von rund 380 vH, der für ein zwölfprozentiges Montanpapier beachtlich ist. Aber Rheinstahl ist eben keine reine Montan-Aktie. Welche Perlen die Rheinstahl-Krone enthält, hat kürzlich das 125jährige Jubiläum der Rheinstahl-Hanomag AG, Hannover, gezeigt. Sie ist eine hundertprozentige Rheinstahl-Tochter. Vom Aktienkapital her gesehen, ist Hanomag mit 45 Mill. DM im Vergleich zu der großen Mutter (470 Mill. DM) zwar nur ein kleines Unternehmen. Aber in Konzernen sind Vergleiche der Grundkapitalien venig fruchtbar. Da zwischen Hanomag und Rheinstahl ein Organschaftsverhältnis besteht, läßt sich auch über den Hanomag-Gewinn wenig sagen, so daß nur der Umsatz einen ungefähren Anhalt über die wahre Betriebsgröße vermittelt. Er betrug im Geschäftsjahr 1959/60 (30. 9.) 391 Mill. DM, im Jahr zuvor 321 Mill. Die Umsätze der Hanomag-Tochtergesellschaften (einschl. Vidal & Sohn, wo eine 50prozentige Beteiligung besteht) machen noch einmal 100 Mill. DM aus. Der Umsatz wurde erreicht mit 10 400 Arbeitskräften. Es fehlen leute noch 500 Arbeiter, die im Augenblick nicht zur Verfügung stehen.

Das Hanomag-Produktionsprogramm steh: auf drei Säulen: Schnellastwagen, Ackerschlepper und Baumaschinen. Für den eigenen Fahrzeugbau unterhält das Werk einen Motorenbau (Diesel). Daneben werden Motoren als Einbaumaschinen verkauft. Das breite Produktionsprogramm schafft zwar eine breite Risikostreuung, andererseits hat man mit ziemlicher Gewißheit stets irgendwo mit Marktschwierigkeiten zu kämpfen. Gemeinsam ist die Sorge der Materialpreis- und Lohnerhöhungen Auf diese Weise ist im letzten Jahr nach Angaben von Vorstandsmitglied Dr. Merker eine Kostenerhöhung von 12 Mill. DM eingetreten. Daß man sie angesichts der überall scharfen Konkurrenz nur mit Mühe auffangen kann, dürfte einleuchten. Deshalb geht Hanomag mit dem Gedanken um, die Preise für Ackerschlepper demnächst zu erhöhen.

31 vH des Gesamtumsatzes entfallen auf das Lastwagengeschäft. In der Klasse der 1 1/2 bis 3 Tonner macht der Hanomag-Marktanteil 42 vH aus. 21 vH des Umsatzes kommen auf Raupen und Baumaschinen, wo der Marktanteil mit insgesamt 65 vH angegeben wird. 25 vH des Umsatzes gehen auf das Konto des Schleppergeschäfts, wo der Marktanteil 10 vH beträgt. Hier ist allerdings zu berücksichtigen, daß es auf diesem Gebiet allein 25 Konkurrenten gibt. Der Umsatzrest von 23 vH entfällt auf

den Motorenbau, das Ersatzteil- und das Rüstungsgeschäft. Die Fragen nach dem Rüstungsgeschäft wurden auf einer Pressekonferenz begreiflicherweise zurückhaltend beantwortet. Hanomag möchte nicht, daß das Rüstungsgeschäft mehr als 20 Prozent des Umsatzes ausmacht. Bis jetzt ist man davon offensichtlich noch weit entfernt. Gebaut werden Schützenpanzerwagen. Lieferungen aus dem allgemeinen Produktionsprogramm, die nicht Sonderanfertigungen sind, gelten bei Hanomag nicht als Rüstungsgeschäft.

Der Auftragsbestand reicht bei Lkw für drei bis vier Monate, bei den Schleppern gelten ähnliche Termine, im Export hier sieben Monate. Im Jahre 1959/60 wurden für 14 Mill. DM investiert und 10 Mill. DM abgeschrieben. Die laufenden Investitionen werden vermutlich nicht größer sein als bisher. Die Lkw-Produktion soll ausgebaut werden. Wichtig ist der Export. Die Exportquote beträgt bei den Radschleppern 45,6 vH, bei den Baumaschinen 20 vH und bei den Lastwagen 20 vH. Über Tochtergesellschaften hat Hanomag in Spanien und Argentinien Fuß gefaßt. K. W.