DIE ZEIT

Der Ko-Pilot irrte

Das britisch-deutsche Kommuniqué über die angebliche Gefährdung des Flugzeugs der englischen Königin ist seit eineinhalb Wochen fertig und unterschrieben.

Präsident Kennedy

Der neue Mann wird zwar erst am 20. Januar auf sein neues Amt eingeschworen werden, aber seit Mittwochmorgen gilt in Washington sein Wort.

Die atlantische Gemeinschaft

Ich weiß nicht, wer den Begriff „Atlantische Gemeinschaft“ erfunden hat, und ob er sich der Bedeutung dieses Wortes bewußt war.

Fremdarbeiter

Am Stadtrand von Saarbrücken: Schmutzigbraune Holzbaracken, morsch und vielfach geflickt, vollgestopft mit ausländischen Fremdarbeitern.

Zeitspiegel

Fidel Castro hat seit seiner Machtübernahme gründlich unter seinen politischen Gegnern aufgeräumt. Nach amerikanischen Zeitungsberichten wurden „offiziell“ – das heißt nach vorausgegangener Gerichtsverhandlung – 618 Personen erschossen, ohne Verhandlung 214.

Der Präsident hat Angst vor der Armee

Einmal in der Woche kommt das Dampfboot von Leopoldville und legt an der Mole in Coquilhatville an. Dann schwärmen die Boote, die das Schiff erwarten, wie Pilotenfische um einen Hai.

Ein Diplomat nach Maß

Der große, elegante Herr mit dem scharfgeschnittenen indischen Aristokratengesicht, der seit zwei Monaten als Beauftragter des UN-Generalsekretärs im Kongo eine der heikelsten politischen Aufgaben unserer Tage zu erfüllen hat, gehört zur ersten Garnitur der indischen Diplomaten, und sein Beruf ist – wie seine Kleidung – nach Maß für ihn geschneidert.

Was wäre gewesen, wenn...?

In dem letzten Teil der Note liegt die Möglichkeit lockend vor den Augen der Deutschen, das ersehnte Ziel, das diplomatisch-strategische Ziel dieser Monate, doch noch zu erreichen.

Delphi liegt in Frankreich

Schon seit Wochen lasten Ungewißheit und Erwartung über de Gaulle, über Algerien, über Frankreich. Ein Druck, der wohl nur noch durch „Ereignisse“ beseitigt werden kann.

SED-Inventur

Groß aufgemacht hat das SED-Zentralorgan „Neues Deutschland“ den Beschluß des Zentralkomitees „über den Umtausch der Mitgliedsbücher und Kandidatenkarten der Partei“ bekanntgegeben.

Bedrängter Gaitskell

In Liverpool ging seine Rede im Buhgeschrei der Gegner unter, in Manchester versuchte er mit hochrotem Gesicht und geschwollenen Stirnadern eine Stunde lang, sich Gehör zu verschaffen: Hugh Gaitskell, der letzte Woche wiedergewählte Führer der Labour-Fraktion im Unterhaus, muß weiterkämpfen.

Stipendien-Speck

Die „Universität für Völkerfreundschaften“ in Moskau hat soeben ihr erstes Semester begonnen. Unter den Studenten sind Ghana, Guinea, Uruguay, Costarica, Ceylon und Iran am stärksten vertreten.

Schlußrunde im US-Wahlkampf

Der bessere Mann hat gesiegt. John Kennedy, Jahrgang 1917, entwickelte in den letzten Wochen eine Form, die ihn an Richard Nixon, Jahrgang 1913, vorbeiführte – und weit über ihn hinaus.

Annäherung Amman – Bagdad

In Bagdad haben am vergangenen Wochenende Verhandlungen zwischen Jordanien und Irak über die Wiederaufnahme normaler Beziehungen begonnen.

Kommunisten-Konzil im Kreml

In Moskau, wo sich die Parteiführer des Ostblocks zum 43. Jahrestag der russischen Oktoberrevolution versammelt haben, wird nicht nur gefeiert.

Nordrhein-Westfalen: Die Wahlmaschine

Bislang war es so: Der Staatsbürger, der am Wahlsonntag seine Pflicht erfüllen wollte, ging in das Wahllokal und ließ sich einen Stimmzettel mit einem Umschlag geben.

Die Stimmen stimmten nicht

Längst sind die Sitze im neuen Frankfurter Stadtparlament verteilt, längst arbeiten die seinerzeit so streitbaren Parteien wieder friedlich und sachlich zusammen – da gibt es im Wahlamt eine kleine Sensation: Im Wahlbezirk 98, einem Teil Sachenhausens, hatte man die Stimmen falsch ausgezählt.

Hamburg: Angeklagt: ein Buch

Vor der Großen Strafkammer 8a des Hamburger Landgerichts fand eine Verhandlung ohne Angeklagten statt, ein sogenanntes objektives Verfahren.

Schleswig Holstein: Heydes Kollegen schwiegen

Als der Untersuchungsausschuß des schleswigholsteinischen Landtages, der sich mit dem Fall Heyde-Sawade befaßt, eine zweite öffentliche Sitzung beendet hatte, saßen etliche Zuhörer mit betroffenen Gesichern da.

Zwei tote Zigeuner

An der Wand gegenüber dem Eingang hockt auf dem Boden unter einem Federbett im kunstseidenen Bezug – gelbe Rosen auf grauem Grund – eine alte Zigeunerin, die Mutter des siebenundzwanzigjährigen Toten, der im offenen Sarg in der Mitte des Wagens liegt.

Soll man Picasso abstoßen?

Wenn es Winter wird, kommt die Kunst unter den Hammer. Was die Künstler geschaffen haben, wird zur Ware, ein käufliches und verkäufliches Objekt, dessen Wert sich wie bei jedem Artikel nach Angebot und Nachfrage richtet.

Ziviles Militär?

Der Militarismus, zu dessen Kennzeichen eine spezielle „Offiziersehre“ und ein „graues Ehrenkleid“ und zu dessen Prinzip die Entpersönlichung des einzelnen auf dem Kasernenhof gehört, ist uns suspekt geworden.

Gelegenheit zum Verzicht

Mitten in jenem Winter kam er mit Fahrrad und Auftrag hierher, in einer hartgefrorenen Schlittenspur, die ihm nicht erlaubte, den Kopf zu heben und nach vorn zu blicken, sondern ihn unablässig zwang, die Spur, der er sich anvertraut hatte, zu beobachten; denn sobald er aufsah, schrammte die Felge jedesmal an den vereisten Schneewänden entlang, die Lenkstange schlug zur Seite, und wenn er sie herumriß, setzte sich das Vorderrad quer, festgestemmt in der engen Spur, so daß er – in dem langen Uniformmantel, den alten Karabiner quer über dem Rücken – Mühe hatte, rechtzeitig abzuspringen.

Unser Recht: Das Labyrinth der Paragraphen

Obwohl niemand die ganze, große Schar der Gebote und Verbote kennen kann, schützt Unkenntnis vor Strafe nicht. Dazu kommt noch, daß Paragraphen ebenso wie Regierungen und Gesinnungen wechseln.

Schriftsteller als Steuerschuldner

Wer in Deutschland einen bestseller geschrieben hat, kann eigentlich nichts Besseres tun, als möglichst bald ins Ausland überzusiedeln, um nicht im Kampf mit dem Finanzamt den größten Teil seiner Honorare einzubüßen .

Südlich vom Gürtel

Vorige Woche ging im Londoner Strafgericht Old Bailey der Prozeß zu Ende, den die Moral seit zweieinhalbtausend Jahren gegen die Kunst anstrengt, der aber erst vor dem Jüngsten Gericht endgültig ausgetragen werden dürfte, wofern er nicht, als Bagatellsache verworfen wird.

Die Gegenwart gilt

In den zwanziger Jahren kam Bela Bartók nach Berlin, um Freunden sein inhaltlich wie musikalisch anstößiges Ballett vom „Wunderbaren Mandarin“ vorzuspielen.

Kohlenstoffuhr und Blasenkammer

Zwei amerikanische Wissenschaftler haben in diesem Jahr die Nobelpreise für Physik und Chemie erhalten: Der Chemiker Professor Dr.

Der eigene Fernsehsender

Von allein wäre ich nie auf die Idee gekommen, einen eigenen Fernsehsender zu gründen, obwohl das schon immer zu meinen liebsten Wünschen gehörte.

Zeitmosaik

Ich sehe in der Moral (oder in der Ästhetik) keinen Grund, warum es nicht eins der Ziele der Literatur sein sollte, lustvolle Gedanken zu wecken.

Brief an Malraux

Man erinnert sich: 121 französische Intellektuelle (inzwischen ist ihre Zahl auf 188 gestiegen) hatten vor einigen Wochen ein Manifest aufgesetzt, in dem sie für den französischen Soldaten das Recht auf Gehorsamsverweigerung im Algerienkrieg forderten.

Ich bin erst sechzig

Ich ging damals hin, wie ich zu allen Auktionen gehe: nicht um zuzusehen, wie Mutters Wintermantel und Überschuhe versteigert werden (und hinten in der Ecke erkennt man genau das graue schluchzende Gesicht der Tochter – nicht Mörder nur werden nämlich immer wieder an den Tatort gezogen; auch die Armen); dann setzt sich woil eine dicke Person mit dreidoppeltem Unterkinn in den Korbsessel und bietet mit, indem sie mit der Regenschirmspitze halb die Luft vor „ihrer“ Gegenständen anritzt; oder nutzlos alte Möbelchen werden vorher mehrfach laut als „Brennholz“ bezeichnet, um den Preis zu drücken – wie gesagt, deswegen nicht.

Schicksale im Hotel Duna

Indro Montanelli, italienischer Journalist und Schriftsteller, den Lesern der ZEIT aus vielen Beiträgen bekannt, fuhr in den kritischen Tagen Ende Oktober 1956 nach Budapest: „mehr aus menschlichen denn aus ideologischen Gründen.

Hinter der Sprache

Dichterische Kritik ist oft schlechte, verschwommen unzulängliche Kritik, weil der Kritiker der Versuchung erliegt, seine eigenen dichterischen Fähigkeiten zur Schau zu stellen.

Größe ist ungemütlich

Im Lokalblatt stößt man mitunter auf eine Notiz, in der ein Bekümmerter Wert auf die Festteilung legt, daß er mit einem wegen versuchten Raubmords verhafteten oder nach Unterschlagungen durchgebrannten Namensvetter weder dentisch noch verwandt ist.

Mein Gedicht: Dann

Wenn ich von der langen Reihe der Gedichte, die mein Leben begleiteten, ja für mich bestimmend geworden sind, das obige herausnehme, so deshalb, weil ich seine Bedeutung und seinen Rang erst in den letzten Jahren erfahren durfte.

Gesammelte Baudenkmäler

Ein bunter Umschlag schmückt das Buch.......................................................................................

Es gibt eine Judenfrage

Die deutsche Literatur hat sich bis jetzt der Aufgabe versagt, das Geschick der Kinder Israels darzustellen, und wir selbst haben mit Erfolg aus unserem Bewußtsein verdrängt, daß wir so lange verantwortlich bleiben, bis geistige Widergutmachung geleistet ist.

Jeder Mensch kann alles

auf dem Markt war, konnte der Verlag zehntausend vorbestellte Exemplare notieren. Eine jähe Welle später Mahler-Begeisterung? Oder eine unerwartete Aufwertung des schon ein wenig vergilbten Ruhms von Franz Werfel? Raum.

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