Vergangene Woche erreichte uns aus Rangun, Burma, die knappe Nachricht, daß unser Mitarbeiter Prof. Dr. Karl L. Herczeg, auf einer Studienreise in die nördlichen Shan-Provinzen von Banditen getötet worden ist. Mehr war nicht zu erfahren. Herczeg hatte uns am 5. Oktober 1960 geschrieben: "Ich fahre in den nächsten Tagen weg für eine Steuer-Untersuchung in den autonomen Shan-Staaten, wo noch mittelalterliche Steuergesetze gelten. Im dringenden Fall erreichen Sie mich bis 22. Oktober in Taunggy, Southern Shan States, Burma."

Karl L. Herczeg hatte an der Hochschule für Welthandel in Wien studiert. Nach einer praktischen Tätigkeit im Außenhandel wurde er 1952 wissenschaftlicher Assistent der Hochschule; nebenbei befaßte er sich mit Betriebsberatung. 1953 nahm er am International Seminar der Universität Harvard teil und hielt zahlreiche Vorträge in den USA, so auch an der Militärakademie von West Point, über Fragen der europäischen Wirtschaftspolitik. 1954 war er Leiter der Wirtschaftsredaktion der "Salzburger Nachrichten", anschließend trat er in die Volkswirtschaftliche Abteilung der OEEC in Paris ein. Sein 1958 im Econ-Verlag erschienenes Buch über die "Zukunft der Weltwirtschaft" zeichnete ihn als originellen, unerschrockenen Autor aus. Von Paris siedelte Herczeg wieder nach Wien über. Dort erreichte ihn als Dozent ein Ruf der Asia Foundation auf eine Gastprofessur nach Rangun.

Als Pariser Wirtschaftskorrespondent und später, von Burma aus, als Mitarbeiter für Probleme der Entwicklungshilfe, stand er der "ZEIT" seit Jahren als wertvoller, anregender Mitstreiter zur Seite. Auch in Asien verlor er Europa nicht aus den Augen. So griff er zuletzt noch mit Leidenschaft in die Diskussion um die Aufwertung der D-Mark ein.

Als Postskriptum schrieb er unter seinen letzten Brief: "Im November bin ich wieder in Rangun. Mit den herzlichsten Grüßen Ihr Karl L. Herczeg." Unser charmanter österreichischer Freund hatte sich für immer verabschiedet. DZ