Italienischer Filmzensor hatteeinen Einfall

C. E., Mailand, im November

Der um den Luchino Visconti-Film „Rocco und seine Brüder“ (ZEIT Nr. 44) entbrannte Streit zwischen der italienischen Justiz und den Initiatoren des Filmes hat inzwischen durch ein salomonisches Urteil sein vorläufiges Ende gefunden. Da ohne riesige finanzielle Einbuße der „Titanus Filmgesellschaft“ die vier geforderten Schnitte nicht durchzuführen waren (sämtliche Kopien hätten für geraume Zeit eingezogen werden müssen), die Justiz aber auf der Eliminierung bestand, hat man eine höchst merkwürdige Entscheidung getroffen: Der Film läuft jetzt mit schwarzen „Fehlstellen“, das heißt, die Vorführer nehmen bei den kitzligen Szenen das Licht weg, die Leinwand ist Sekunden- oder minutenlang schwarz, die Zuschauer bleiben ihrer eigenen Phantasie überlassen und müssen sehen, wie sie wieder in die Handlung finden, wenn der Film dann nach der Unterbrechung normal weiterläuft.

In der Geschichte des Films hat diese Entscheidung wohl den Rang des Primats. Es heißt, daß Visconti jetzt gegen dieses Urteil wegen „künstlerischer Schädigung“ klagen will.