Weitgehende Unterstützung der amerikanischen Finanzpolitik

J. K., Paris, Anfang November

Der Sturm, der in der zweiten Oktoberhälfte über die internationalen Goldmärkte hinwegbrauste, hat die französische Währung wenig berührt. Obwohl die Bank von Frankreich kurz vor dem Einsetzen des "Goldrausches" ihren Diskontsatz von 4 vH auf 3,5 vH gesenkt hatte und obgleich also, theoretisch, ein Anlaß für Kapitalbewegungen nach gewissen ausländischen Finanzzentren bestand, sind die Währungsreserven Frankreichs während des Monats Oktober noch um 25,8 Mill. Dollar auf insgesamt 2135,7 Mill. Dollar Ende Oktober gestiegen. Die Zunahme ist zwar weniger stark als im Monatsdurchschnitt seit Beginn dieses Jahres (er betrug ungefähr 100 Mill. Dollar), aber ein spürbarer Abfluß "heißen Geldes" war nicht zu verzeichnen.

Man darf aber annehmen, daß infolge der gegenwärtigen innenpolitischen Malaise in Frankreich Guthaben im Ausland zurückgehalten worden sind, ohne daß dies als eine Mißtrauenskundgebung gegen die Währung selbst gedeutet werden könnte. Die private Goldhortung hat in dem klassischen Goldhortungsland – das Frankreich seit Jahrzehnten ist – in der zweiten Oktoberhälfte wieder etwas zugenommen, jedoch keine panikartigen Ausmaße gewonnen, da der französische Stabilisierungsfonds die Nachfrage leicht befriedigen konnte. Als die Tendenz sich umkehrte, kaufte der Stabilisierungsfonds das angebotene Gold wieder auf. Da außerdem das (auf rasche Zinsgewinne ausgehende) internationale Anlagekapital in Frankreich nicht sehr umfangreich ist, weil auf anderen Märkten seit Monaten günstigere Bedingungen geboten werden, sehen die französischen Währungsbehörden eventuellen neuen Tumulten auf den Goldmärkten mit ziemlicher Gelassenheit entgegen.

Eine indirekte Bestätigung dafür ist in der Politik der französischen Währungsbehörden zu erblicken, die ausländische Verschuldung möglichst rasch abzubauen. So wird dieser Tage die französische Restschuld an den Internationalen Währungsfonds im Betrag von 131 Mill. Dollar vollständig zurückgezahlt, davon 116,7 Mill. in Gold, das vom amerikanischen Schatzamt im Tausch gegen Dollarguthaben Frankreichs erworben wurde. In dem Krisenjahr 1957 bis Mitte 1958 hatte Frankreich Schulden beim IWF in Höhe von maximal 393,75 Mill. Dollar. 200 Mill. Dollar sind inzwischen im November 1959 und 50 Mill. Dollar in den folgenden Monaten zurückbezahlt worden, während 17,5 Mill. Dollar an Spanien und Brasilien für den Kauf französischer Francs zur Verfügung gestellt wurden. Großbritannien hat dieser Tage ebenfalls 83 Mill. Dollar an den IWF zurückgezahlt. Diese Rückzahlungen kommen insofern dem amerikanischen Schatzamt in seinen Bemühungen zur Festigung des Dollar zu Hilfe, als sie die kurzfristigen Dollarguthaben Frankreichs und Großbritanniens beim amerikanischen Schatzamt und damit die potentielle Nachfrage nach amerikanischem Gold vermindern.

Die Leitung des IWF hat, wie in Paris zu hören war, ganz allgemein den Mitgliedstaaten des IWF angeraten, Ziehungen auf amerikanische Dollar nach Möglichkeit zu vermeiden und bei solchen Gelegenheiten andere Währungen anzufordern. Die französischen Behörden nehmen seit einiger Zeit jede Gelegenheit wahr, um ihre Solidarität mit der amerikanischen Außenwirtschaftspolitik auf den verschiedensten Gebieten zu beweisen. Sie vermeiden in ihren Liberalisierungsmaßnahmen jede handelspolitische Diskriminierung der amerikanischen Produkte; sie sind mit der Diskontsenkung vorangegangen; sie haben die Entschuldung gegenüber dem Ausland beschleunigt. Auf anderen Gebieten treten Dissonanzen zwischen Washington und Paris auf – auf wirtschafts- und finanzpolitischem Gebiet seit einem Jahr gewiß nicht mehr.