b. k., Berlin

Groß aufgemacht hat das SED-Zentralorgan "Neues Deutschland" den Beschluß des Zentralkomitees "über den Umtausch der Mitgliedsbücher und Kandidatenkarten der Partei" bekanntgegeben. Vom 1. Dezember an gelten die neuen Ausweise, vom 1. Januar 1961 an verlieren die alten Dokumente ihre Gültigkeit. In bestem Parteideutsch wird der Sinn dieses Unternehmens erläutert: "Der Umtausch der Parteidokumente soll die Partei auf der Grundlage des demokratischen Zentralismus und der strengen Einhaltung der innerparteilichen Demokratie zu einer noch engeren Verbindung mit den Volksmassen und zu einer noch höheren Kampfkraft befähigen."

Der Tiefsinn hinter diesem Phrasendunst ist schwer zu finden. Die Wirklichkeit ist jedenfalls viel leichter zu übersehen. Wie jede Massenpartei, so schleppt auch die SED Kartei-Leichen und anderen Registraturballast mit sich herum. Außerdem ist seit der Ausgabe der derzeit gültigen Mitgliedsbücher schon so viel Zeit vergangen, daß sie allmählich abgenutzt und zerfleddert sind. Und ein Drittes: Der Eifer vieler Genossen, sich aktiv in der Partei zu betätigen, hat mächtig nachgelassen. Also Grund genug zur Bestandsaufnahme.