Der Sparer wird gegenwärtig von vielen Seiten umworben. Das geschieht nicht ohne Grund, denn man will mit seinem Geld Geschäfte machen. Dagegen ist vom Standpunkt des Sparers nichts einzuwenden, solange er ebenfalls mit seinem Geld auch entsprechende Einnahmen erzielt. Für den Anleger kommt es also darauf an, sich dort zu beteiligen, wo für ihn der größte Nutzen herausspringt, d. h. eine Anlage zu wählen, die seinen Wünschen am weitesten entgegenkommt. Das können Aktien, festverzinsliche Werte, Investment-Zertifikate, Grundstücke, Häuser oder auch Sparkassenbücher sein. Es kommt auf die Wünsche und Absichten des Sparers an. Seit einiger Zeit ist nun ein neues Anlagepapier aufgetaucht: Das Whisky-Zertifikat – unser heutiges Thema

Investment-Fonds, meine verehrten Leser, wurden gegründet, um das in jeder Anlage liegende Risiko zu streuen, je breiter die Streuung, desto „sicherer“ ist die Anlage. Aber der Preis für die Sicherheit wird ebenfalls höher, weil ein Teil der Gewinne zwangsläufig dazu dienen muß, die auf der anderen Seite auftretenden Verluste auszugleichen. Attraktive Gewinne pflegen dann meist auszubleiben. Das war offensichtlich auch der Grund, warum ein Teil der bisherigen Investment-Freunde sich in den vergangenen Monaten der Hausse der „direkten“ Aktienanlage zugewandt hat, um auf diese Weise durch eigene Auswahl der Papiere größere Gewinne zu erzielen, als es nun einmal bei den Fonds möglich ist. Das wiederum hat zu Gegenaktionen der Investment-Gesellschaften geführt, weniger der deutschen als der schweizerischen, die Spezialfonds ins Leben riefen, in denen die Aktien besonders erfolgreicher Branchen vertreten sein sollten. Gegründet wurden Chemie-Fonds, Nahrungsmittel-Fonds, Banken-Fonds usw. In den USA gibt es u. a. den Televisions-Fonds, der auch in der Bundesrepublik gut eingeführt ist und der vornehmlich Aktien solcher Gesesllschaften aufnimmt, die sich auf dem Elektro-Gebiet betätigen, also ebenfalls in einer „zukunftsträchtigen“ Branche. Wer sich jedoch einem dieser Spezialfonds zuwendet, muß wissen, daß er bewußt auf eine Risikostreuung breitester Art verzichtet. Sie bleibt zwar in gewissen Grenzen deshalb vorhanden, weil in den Fonds ja Aktien verschiedener Unternehmen (allerdings der gleichen Branche) vorhanden sind und diese Unternehmen außerdem noch in zahlreichen Ländern ihren Sitz haben.

Bei den sogenannten Whisky-Zertifikaten wird die Risikostreuung noch weiter eingeengt, wie Ihnen unsere weitere Unterhaltung, meine verehrten Leser, zeigen wird. Als konkretes Beispiel soll uns der Scotch Whisky Anlage Fonds der ASIG (Allgemeine Sachwert Anlage-Gesellschaft mbH, Köln) dienen. Treuhandbank ist das Bankhaus Mertins & Co KG, Köln. Der Fonds hat schottischen Roh-Whisky in Fässern als Deckungsgrundlage. Also keine Wertpapiere, sondern eine internationale Handelware, die – wie auch in dem Prospekt des Fonds zu lesen ist – dem Gesetz von Angebot und Nachfrage unterworfen ist.

– Schottischer Whisky muß mindestens 3 Jahre lagern und reifen. Erst dann darf er in den Handel gebracht werden. In dieser Zeit erfährt er zwangsläufig einen Wertzuwachs. Man wird zugeben müssen, daß es bislang nicht gelungen ist, dem klassischen Whisky-Trinker einen Whisky schmackhaft zu machen, der nicht aus Schottland kommt. Insofern hat dieses Getränk eine Art Sonderstellung. Man wird jedoch ebenfalls zugeben müssen, daß der echte französische Cognac – zumindest in Deutschland – im Laufe der vergangenen Jahrzehnte von dem deutschen Weinbrand zurückgedrängt worden ist, eine Entwicklung, die man zunächst kaum für möglich gehalten hatte. Ob das bei Whisky auch eines Tages der Fall sein kann, vermag ich nicht zu beurteilen. Ich gebe nur zu bedenken, daß immerhin gewisse Wandlungen möglich sind.

Die ASIG spricht in ihrem Prospekt von einem „Ideal-Fonds“, da er der Forderung nach Sicherheit und überdurchschnittlichen Ertrag in hohem Maße entspricht, „wobei seine Krisenfestigkeit hervorzuheben ist“. Nach der Rechnung der ASIG basieren die Ertragserwartungen auf dem bereits erwähnten Wertzuwachs während der Reifezeit: Für eine Gallone drei-vier jährigen Whiskys – so heißt es – hat man nie weniger als 2 Gallonen jungen Whiskys der gleichen Sorte erhalten. Bei gleichbleibenden Verhältnissen eröffnet dies interessante Perspektiven. So können sich zum Beispiel aus einem Anfangsbestand von 1000 Gallonen nach 9 Jahren 8000 Gallonen und nach 12 Jahren 16 000 Gallonen ergeben. – Das sind zweifellos beachtliche Gewinnaussichten. Voraussetzungen sind eben aber „gleichbleibende Verhältnisse“.

Die ASIG hat nun für die über den Verkauf von Zertifikaten (Stückelung 50,–, 250,–, 500,– DM) eingenommenen Erlöse jungen schottischen Whisky erworben. Er wird in Schottland unter staatlicher Kontrolle gelagert und ist (einschl. des zu erwartenden Wertzuwachses) gegen alle Schadensrisiken versichert. Nach 3 bis 4 Jahren wird der Whisky veräußert, der Zertifikatsbesitzer hat dann Anspruch auf den auf ihn entfallenden Anteil des Nettoerlöses. Wenn die Rechnung des Fonds aufgeht, müßte sich in drei bis vier Jahren der Einsatz verdoppeln. Inwieweit das möglich sein wird, läßt sich im voraus natürlich schwer abschätzen. Einen Garantieschein gibt es auch hier nicht.

Die Anlage in Whisky-Zertifikaten dieser Art ist eine typisch mittelfristige Anlage (3 bis 4 Jahre). Was passiert aber, wenn ein Zertifikatsbesitzer seine Papiere vorher, also vor der offiziellen Auflösung des Fonds, veräußern will oder aus irgendwelchen Gründen muß? Diese Frage, meine verehrter Leser, sollte man sich bei jeder Anlage stellen, denn was nützt sie, wenn man sie nicht jederzeit verwerten kann. An der Börse sagt man: Ein Papier muß marktgängig sein. Aktien, die man nur schwer handeln kann, beispielsweise Namensaktien, bei deren Umschreibung die betreffende Gesellschaft Schwierigkeiten bereit, haben oftmals einen niedrigeren Kurs als vergleichbare andere Papiere. Normalerweise kauft man sich ja auch Hypotheken-Pfandbriefe und gewährt nicht direkt Hypotheken. Die Pfandbriefe lassen sich relativ leicht veräußern, die Umschreibung von Hypotheken bereitet dagegen erhebliche Kosten und ist auch sonst mit Hemmnissen verbunden.