Vorsicht bei kanadischen Aktien!

Sie haben in letzter Zeit wiederholt auf kanadische Aktien aufmerksam gemacht. Allerdings mit einer spürbaren Reserve, wenn die Rede auf die Papiere in Europa wenig bekannter Gesellschaften kam. Dabei erinnere ich mich, daß Sie vor ungefähr einem Jahr auf die Empfehlungen einer Genfer Gesellschaft aufmerksam machten, die telephonische Angebote zum Kauf kanadischer "Dynamit Petroleum Aktien" unterbreitete. Aus Ihren Ausführungen war eine gewisse Skepsis herauszulesen. Da ich auch beinahe von diesem Angebot Gebrauch gemacht hätte, wäre ich dankbar zu erfahren, wie sich der Kurs dieser Aktien weiter entwickelt hat? C. Z., Düsseldorf

Antwort: Bei den "Dynamit Petroleum Aktien" handelt es sich um ausgesprochene Spekulationspapiere, die sich leicht von Interessentengruppen in jede gewünschte Richtung beeinflussen lassen. Die Aktien wurden von der Titres et Placements S.A., Genf, angeboten, und zwar – wie mir dies Unternehmen am 14. Januar 1960 mitteilte – zu irgendeinem Zeitpunkt zum Preis von 1,– bis 1,05 Dollar.

Anfang dieses Jahres "freute sich Titres et Placements mitteilen zu können, daß Dynamit nunmehr zu 1,50 Dollar gehandelt werden". Wir haben das damals nicht nachkontrolliert. Kürzlich wurden allerdings die Shares an der Börse Toronto nur noch mit 40 Cents notiert. Wer damals die Shares erworben und nicht rechtzeitig verkauft hat, muß nun sehen, wie er über den Verlust hinwegkommt.

Wir können nur immer wieder zur Vorsicht bei telephonischen Angeboten unbekannter Stellen mahnen. Wie die Erfahrungen zeigen, auch mit nigem Recht. Lassen Sie sich nicht durch große Worte beeindrucken, mit denen diese Stellen ihre Offerten untermauern.

Was im einzelnen dahintersteckt, mag Ihnen folgendes Beispiel erläutern: Der Titres et Placements S. A. war unsere Haltung ihren Empfehlungen gegenüber natürlich keineswegs angenehm. In einem längeren Schreiben versuchte sie uns von ihrer Zuverlässigkeit zu überzeugen. In ihm ließ es u. a.: "Bei dieser Gelegenheit können wir Ihnen noch mitteilen, daß der Hessische Minister für Wirtschaft und Verkehr in Wiesbaden genauestens über unsere Firma unterrichtet ist. Unsere Empfehlungen sowie die Reaktionen wurden genauestens erörtert."

Da wir uns nicht vorstellen konnten, was denn nun eigentlich der Hessische Wirtschaftsminister mit den Angelegenheiten dieser Genfer Firma zu schaffen hatte, haben wir im Ministerium angefragt. Die Antwort: "Im Namen der Titres et Placements, Genf, sprach bei einem Herrn unseres Hauses ein Mister James vor. Herr James führte aus, er wolle im Auftrag der Firma in Frankfurt ein Informationsbüro einrichten. Aufgabe dieses Büros solle es sein, das deutsche Publikum aber die Entwicklung ausländischer Aktiengesellschaften und über die Kurse der Aktien dieser Gesellschaften zu unterrichten. Herrn James wurde bei dieser Gelegenheit mitgeteilt, daß seine geplante Tätigkeit nicht unter den Begriff des Bankgeschäftes falle und eine Erlaubnis für seine Arbeit nicht notwendig sei. Die von Herrn James beabsichtigte Tätigkeit ist seitens meines Hauses weder empfohlen noch mißbilligt worden. Auch die Frage, ob eine derartige Tätigkeit in der Bundesrepublik erwünscht sei, wurde seitens meines Hauses nicht angeschnitten."

Ohne Zweifel hat Titres et Placements uns gegenüber nichts Falsches gesagt, aber aus der von ihr gewählten Fassung könnte der gutgläubige Leser doch wohl herauslesen, daß der Hessische Wirtschaftsminister die Tätigkeit dieses Unternehmens zumindest gebilligt hat. Er hat sie aber lediglich zur Kenntnis genommen und festgestellt, daß sie ihn nichts angeht.