Ein verlegerischer Bravourtrick, eine journalistische Parforce-Leistung – eine Woche nach den amerikanischen Präsidentenwahlen liegt die erste deutsche Biographie des Siegers vor –

Joachim Joesten: "Präsident Kennedy"; Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart; 236 S., 12,80 DM.

Der Autor hat sein Material mit dem Bienenfleiß des Archivars gesammelt und es mit der Fixigkeit des Reporters verarbeitet. Was dabei herauskam, kann sich trotz mancher Unzulänglichkeiten und trotz aller Vordergründigkeit sehen lassen. In breiten Zügen schildert Joesten Kennedys familiären Hintergrund, seinen politischen Aufstieg und seine Ziele; auch dem unterlegenen republikanischen Bewerber. Nixon sind zwei Kapitel gewidmet.

Fast die Hälfte des Buches ist einer eingehenden Beschreibung des Wahlkampfes eingeräumt, dessen letzte Phase mit den ausschlaggebenden Fernsehduellen der beiden Kandidaten allerdings nicht mehr in Betracht gezogen werden konnte. Ein Ausblick auf Kennedys mutmaßliche Wirtschafts- und Außenpolitik schließt die Biographie des neuen amerikanischen Präsidenten ab.

Es ist nicht verwunderlich, daß sich bei der Hast der Herstellung eine Anzahl von Fehlern eingeschlichen hat, zum größten Teil in Einzelheiten des Lebenslaufes, wo sie sich leicht ausmerzen lassen sollten. Ein Fehler freilich muß korrigiert werden, ehe er unnötige Verwunderung und Verwirrung stiftet: Joestens Behauptung, "daß sich Kennedy keineswegs der blühenden Gesundheit erfreut, die er nach außen hin zu besitzen scheint... Trotz mehrfacher Operationen nach dem Krieg leidet Kennedy noch immer stark an Rückgratschmerzen!" Das stimmt einfach nicht. Wie hätte Kennedy mit einem Rückgratleiden seinen unmenschlich harten Wahlkampf führen können? Auch die ärztlichen Zeugnisse, die in Kennedys amerikanischen Biographien angeführt sind, sprechen dagegen.

Joestens Buch ist allen zu empfehlen, die sich rasch über Wesensart, Werdegang und Wahlkampf des neuen US-Präsidenten informieren möchten. Wer eine fundierte, auf den Menschen und Politiker Kennedy konzentrierte Biographie sucht, der greife daneben zu Professor James Mac Gregor Burns’ Werk John Kennedy – A Political Profile, für das sich hoffentlich bald ein deutscher Verleger findet. Theo Sommer