gru, Oberkassel

Schon seit einiger Zeit fragen sich die Gemeindeväter von Oberkassel, Oberdollendorf und Niederdollendorf, wie ernst das Bundesverkehrsministerium den Artikel 1 des Grundgesetzes nimmt: ‚Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist die Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.“

Erbittert stellen sie fest: „Bei der Neuplanung der Bundesstraße 42 im Amtsbereich Oberkessel haben offenbar nur die technischen Belange im Vordergrund gestanden, nicht aber der Mensch mit seiner Heimstatt und seinem Anwesen

Niemand von ihnen bestreitet, daß die alte Bundesstraße in den kleinen Rheintalörtchen verlegt werden muß. Die Ortsdurchfahrten sind zu eng, Sie fassen den Verkehrsstrom nicht mehr, der von Niederlahnstein (gegenüber Koblenz) nach Beuel und von dort weiter nach Bonn, Siegburg und zum Flughafen Wahn führt. Schon 1952 legte das Fernstraßen-Neubauamt in Königswinter einen Plan für eine Entlastungsstraße im Amtsbereich Oberkassel an. Es schlug eine zweite Tallinie vor. Sie sollte von der Königswinterer Höhe in das Tal hinabgeführt werden und in unmittelbarer Nähe parallel zur alten B 42 die Ortschaften Oberdollendorf, Niederdollendorf und Oberkassel durchqueren.

Mit dieser Lösung waren die Bewohner aber nicht einverstanden: „In dem ohnehin zu engem Rheintal können wir nicht noch eine zweite Straße brauchen. Unsere Wohnorte werden schon von der Bundesbahn, der alten Bundesstraße 42, der Siebengebirgsbahn, von der Ruhrgasleitung und von zwei Hochspannungen durchschnitten. Nun reicht’s.“

Sie zählten die Nachteile der neuen Straßenplanung auf:

1. Die Straße führe durch dicht besiedeltes Gebiet, zum Teil nur zwei Meter von den Häusern entfernt. Die Anwohner könnten zu Hause nicht mehr ruhig und ungestört leben. Außerdem bedeute die Autostraße eine zusätzliche Gefährdung ihrer Gesundheit. Zu den Abgasen von Industriewerken, Rheinschiffen, Zügen und Kraftfahrzeugen auf der alten B 42 kämen neue giftige Abgase hinzu.