Von Albert Bosper

Als Eduard wohlgelaunt, mit offenem Blick für die Gegebenheiten seiner Umwelt und viel Verständnis für das Tun und Treiben seiner Zeitgenossen, so dahinschlenderte, fiel ihm ein Mann auf, der hinter seinem Verkaufsstand in der üblichen Weise seine Ware feilbot: "Hierher, Herrschaften! Versäumen Sie nicht, Original Meyers Gummiband mitzunehmen, das garantiert beste Gummiband, das es je gegeben hat, unverwüstlich wie kein anderes, nicht mit Gewalt aufzuarbeiten, die allerbeste Ware zum allerniedrigsten Preis!"

Das tat Eduards Ohren weh. In seinem Normalgehirn spreizte sich etwas gegen diese Art der Reklame, er sah seinen gesunden Menschenverstand in sträflicher Weise übergangen, denn es bedurfte keiner Zerreißprobe des besagten Gummibandes, um zu wissen, daß der Mensch da ganz kolossal übertrieb. Doch als er ihm den Rücken wandte, fiel sein Blick auf ein riesiges, grellrotes Wahlplakat: "Wählt uns! Die einzige Partei für Fortschritt, Aufstieg und allgemeinen Wohlstand! Wir sind die Garanten für soziale Ordnung und Gerechtigkeit!" Kopfschüttelnd wandte sich Eduard ab.

Abends mußte er sich von seiner Geliebten sagen lassen: "O Liebster, niemand liebt dich so wie ich, niemals bist du so geliebt worden, und niemals wirst du so geliebt werden, du bist mir mehr als alles in der Welt, alles könnte ich für dich tun, ja sogar sterben könnte ich für dich, auf der Stelle, glaube mir!"

Nun war’s dem guten Eduard zuviel. Er verspürte den unwiderstehlichen Drang, diesen albernen Phrasen mit Aufrichtigkeit zu begegnen, und zwar mit absoluter Aufrichtigkeit.

Bei seiner Geliebten machte er gleich den Anfang. Er antwortete ihr: "O ja, ich liebe dich gewiß auch, jedoch möchte ich nicht in Abrede stellen, daß dich ein anderer vielleicht noch mehr zu lieben vermöchte. Auch könnte ich, obschon du mir lieb und teuer bist, keineswegs alles für dich tun – das heißt: wenn ich unserer Liebe ein allzu großes Opfer bringen müßte – man müßte erst sehen... Eins aber ist sicher: sterben könnte ich für dich schwerlich, wahrscheinlich überhaupt für keinen Menschen, allenfalls käme es auf die Umstände an, weißt du. Indessen laß uns trotzdem ganz beruhigt sein, denn zum Glück wird ja wohl niemand etwas so Absurdes von uns verlangen."

Da traf ihn ein Blick voller Befremden. Das Verhältnis war sichtlich gestört.