Zu einer aufschlußreichen Untersuchung: eine Neuordnung muß und wird kommen

Von Jacques Stohler

Das Gerede über die Aufwertung sei "dummes Geschwätz" – so oder ähnlich hat Westdeutschlands renommiertester Bankier, Hermann J. Abs, kürzlich gesprochen und damit einen Versuch unternommen, jenen "Theoretikern", die immer noch nicht davon überzeugt sind, daß Wechselkurse sakrosankt sind, die Lust am Ketzern zu vergällen. Es scheint jedoch, daß selbst die gezielte Verachtung eines international bekannten Bankmannes nichts an gewissen Tatsachen ändern kann: Daran zum Beispiel, daß das Ungleichgewicht der deutschen Zahlungsbilanz und das Mißverhältnis zwischen den Paritäten des Dollars und der D-Mark jetzt Vertreter der amerikanischen Regierung veranlaßt, in Bonn über den Abbau der deutschen Währungsreserven zu verhandeln.

Eine Welt-Währungskonferenz

Zudem verlautet aus Wall Street und aus der Londoner City, daß im Frühjahr 1961 wahrscheinlich eine internationale Währungskonferenz stattfinden wird – und es ist kaum anzunehmen, daß bei dieser Gelegenheit nicht auch über den Wechselkurs der Mark und das Verhältnis von D-Mark und Dollar gesprochen werden wird. Man kann sich sogar kaum vorstellen, welche anderen Themen eine Welt-Währungskonferenz in so naher Zukunft erforderlich machen würden. Da der Übergang zur Ausländer-Konvertibilität seinerzeit ohne die Einberufung einer derart illustren Versammlung möglich war, dürfte auch die Inländer-Konvertibilität, sollte sie kommen, auf ähnlich geräuschlose Art und Weise beschlossen werden.

Die letzte Welt-Währungskonferenz fand 1944 in Bretton Woods statt. Als Resultat jener Verhandlungen wurden die Weltbank und der Internationale Währungsfonds (IWF) ins Leben gerufen. Der Währungsfonds bescherte der Nachkriegswelt stabile Wechselkurse, die nur beim Auftreten eines "fundamentalen Ungleichgewichts" der Zahlungsbilanzen geändert werden können. Wird die nächste Welt-Währungskonferenz beschließen, daß die Wechselkurse der Währungen innerhalb einer größeren Bandbreite frei schwanken sollen?

Die Überlegung ist, wie aus einem soeben erschienenen, höchst instruktiven Aufsatz von Professor Edgar Salin hervorgeht, nicht nur theoretisch, sondern auch politisch nicht unbedingt abwegig ("Für ein Alignement der Währungen", in Nr. 4/1960 der Internationalen Zeitschrift für Sozialwissenschaften "Kyklos"). Salin geht davon aus, daß die währungspolitische Situation der freien Welt gegenwärtig labil ist, daß es sich um eine absonderliche Lage handelt, die aber, da alle Zentralbanken vor radikalen Maßnahmen zurückschrecken, am liebsten totgeschwiegen wird. Folgerichtig werden Theoretiker, die darauf hinweisen, als lästige Störenfriede empfunden. Aber dadurch werden unliebsame Tatsachen nicht aus der Welt geschafft: "Kein Dekret ‚Eine amerikanische Abwertung findet nicht statt‘ oder ‚Eine deutsche Aufwertung findet nicht statt‘ vermag irgendein Problem zu lösen, sondern ist nur Ausdruck dessen, daß die betreffende Zentralbank oder ihr jeweiliger Sprecher diese Überzeugung und diesen Willen haben – wobei jeweils ganz dahingestellt bleiben muß, wie lange sie diese Linie festhalten können und werden."